Eigentlich war alles angerichtet für den vierten Saisonsieg von Lewis Hamilton, aber ein grober Strategiefehler der Mercedes-Box brachte am Ende Nico Rosberg den dritten Monaco-Triumph in Folge und beendete eine eindrucksvolle Serie des Weltmeister. Das meinten die Verantwortlichen zum silbernen Wechselbad der Gefühle.
Eigentlich war alles angerichtet für den vierten Saisonsieg von Lewis Hamilton, aber ein grober Strategiefehler der Mercedes-Box brachte am Ende Nico Rosberg den und beendete eine eindrucksvolle Serie des Weltmeister. Das meinten die Verantwortlichen zum silbernen Wechselbad der Gefühle.
65 Runden lang dominierte Hamilton den sechsten Saisonlauf nach Belieben. Dann aber musste wegen des schweren Unfalls von Max Verstappen das Safety-Car auf die Strecke. Was folgte war ein kapitaler Fehler der Mercedes-Strategen, der Hamilton um den Sieg brachte. Sie holten den Briten an die Box, um ihm für die für die letzten 13 Runden mit neuen weicheren Reifen auszurüsten. Allerdings fiel er durch diese Aktion auf Rang drei zurück und fand dann am Ende keinen Weg am zweitplatzierten Sebastian Vettel vorbei.
Wie angefressen Hamilton über den Fehler war, zeigte sich bereits in der Auslaufrunde. Er rollte langsam herum, legte in der Kurve vor dem Tunnel sogar eine Pause ein, als wolle er jetzt aussteigen und gleich zu Fuß nach Hause gehen. Er fuhr dann aber doch zurück zur Siegerehrung, wo er gleich einmal auf seinem Parkplatz mit seinem Boliden in das Schild mit der Nummer drei krachte. Bei der Pokalübergabe zeigte er sich auch in der Stunde der Niederlage als fairer Sportsmann und gratulierte Rosberg und Vettel, die Enttäuschung konnte er aber nicht verbergen.
"Ich kann nicht ausdrücken, wie ich mich gerade fühle, also werde ich es auch nicht versuchen", meinte der zweifache Weltmeister in einer ersten Reaktion, übte aber keine Kritik am Team: "Wir gewinnen zusammen als Team, und wir verlieren zusammen als Team." Schon direkt nach dem Rennen hatte sich Mercedes Motorsportchef Toto Wolff persönlich bei seinem Starpiloten entschuldigt und wiederholte dies auch öffentlich: "Wir müssen uns bei Lewis entschuldigen", erklärte der Wiener. "Das geht voll aufs Team. Es war eine Fehlentscheidung. Lewis hat jeden Grund, sauer zu sein."
Wie kam es zum Strategiefehler?
"Es gab keinen Anlass für eine solche Fehlentscheidung. Das darf einfach nicht passieren", polterte Teamaufsichtsrat Niki Lauda nach dem Rennen. Doch wieso holte man Hamilton kurz vor dem Ende an die Box? "Die Reifentemperatur war im Keller, Lewis hatte keinen Grip mehr", so Wolff. Mercedes fürchtete, Vettel könnte in der Safety-Car-Phase weiche Reifen an der Box holen, um nach dem Restart noch um den Sieg zu kämpfen. Allerdings beging man in der Hitze des Gefechts einen entscheidenden Rechenfehler, man schätzte den Vorsprung auf Vettel zu hoch ein und wurde dann böse überrascht als dieser plötzlich vor Hamilton lag.
"Wir haben keinen Gebrauch vom gesunden Menschenverstand gemacht", so Wolff. Man verließ sich ausschließlich auf die Daten, die der Computer ausgerechnet hatte. Danach hatte man nur wenige Sekunden, um diese zu bewerten und eine Entscheidung zu treffen, die endgültige fiel erst 50 Meter vor der Boxeneinfahrt. "Wir müssen uns jetzt fragen, warum wir uns in den Daten geirrt haben", so Wolff. "Man vertraut dem Team", meinte Hamilton, der den Stopp während des Rennens nicht infrage gestellt hatte weil er dachte, die Fahrer hinter ihm würden dasselbe tun."
Mitgefühl für Hamilton von Rosberg
Rosberg schaffte mit seinem dritten Monaco-Sieg en suite zwar ein Kunststück, das bislang nur Ayrton Senna gelungen war, die Freude darüber war angesichts des Zustandekommens dann nicht so ausgelassen. "Ich weiß natürlich, dass da heute sehr viel Glück dabei war", meinte der Rennsieger, der nur mehr zehn Punkte hinter Hamilton in der WM-Tabelle zurückliegt. "Das ist einer der schlimmste Momente seiner Karriere", dachte Rosberg auch an Hamilton, für den eine stolze Serie zu Ende ging: Die vergangenen zwölf Rennen hatte er nie schlechter als auf Platz zwei beendet.