Am letzten Tag der Formel-1-Tests in Jerez war Sebastian Vettel zum Daumendrehen verdammt, der Red-Bull-Bolide streikte stundenlang. Fernando Alonso besänftigte hingegen den bereits etwas ungeduldig gewordenen Ferrari-Boss mit der Tagesbestzeit.
Es war nicht der Tag des Weltmeister-Teams. Insgesamt fünf Stunden verlor Red Bull wegen diverser technischer Mängel. Schon nach den ersten zwei Aufwärmrunden rollte der RB8 wieder an die Box. Die Ingenieure konnten die Elektronikprobleme lösen, doch als der Weltmeister wieder auf die Strecke gehen wollte, ging der Motor nach ein paar Metern in der Boxengasse wieder aus.
Abermals wurde der Bolide in die Box geschoben und der im Vorjahr noch so zuverlässige Renault-Motor gewechselt. Vettel nahm die Zwangspause gelassen: "Sowas gehört einfach zu einem Test dazu, das ist der Grund, warum wir hier sind." Am Nachmittag funktionierte der Bolide wieder und der Weltmeister drehte insgesamt 50 Runden - die schnellste in einer Zeit von 1:19,606 Minuten, womit er als Dritter am Zeitentableau aufschien.
Mateschitz: "Was ist mit Ferrari los?"
Ferrari stand hingegen bereits am vierten Testtag unter Druck. Die italienischen Medien waren mit den bisherigen Leistungen unzufrieden - zurecht. Die Italiener konnten bislang weder auf der schnellen Runde, noch auf den Longruns überzeugen. Das fiel auch Dietrich Mateschitz auf, der am Donnerstag in Jerez die Tests beobachtet hatte (). "Was ist mit Ferrari los?", fragte sich der Dosen-Milliardär im Blick.
Jetzt drohte Ferrari-Boss Luca di Montezemolo, seine Mannschaft brauche mit diesen schlechten Zeiten gar nicht nach Maranello zurückkehren. Um den Chef zu besänftigen zog Fernando Alonso am Vormittag die weichen Reifen auf und knallte - vermutlich mit wenig Benzin - die schnellste Zeit hin, die auch am Nachmittag nicht mehr unterboten wurde. Trotzdem rätseln die Experten, wieso die Roten nicht in Fahrt kommen. Auch am Freitag kamen die Italiener wegen diverser Probleme nur auf 39 Testrunden.
Das große Problem des F2012 derzeit die Balance in der Kurve, vermutlich bereitet die Vorderradauffhängung Probleme. Technikchef Pat Fry wirkt bereits leicht verzweifelt: "Wir probieren unterschiedliche Dinge am Kurveneingang, in der Mitte und am Ausgang - es geht wirklich darum, diese Faktoren richtig auszubalancieren. Es handelt sich um eine sehr große Matrix und wir probieren fast bei jedem Run eine andere Konfiguration."
Fazit: Lotus derzeit am schnellsten
Die ersten Testfahrten der Saison sind nun vorbei und so wie es derzeit aussieht, ist Lotus-Renault an der Spitze anzusiedeln. Der ehemalige Renault-Rennstall lieferte die schnellste Zeit der vier Testtage, obwohl der Weltverband FIA noch kurz vor dem Testbeginn die reaktive Radaufhängung der Schwarz-goldenen verboten hatte.
Die Bestzeiten vom Freitag im Überblick:
1. Fernando Alonso (ESP) Ferrari 1:18,877 Min. (39 Runden)
2. Jean-Eric Vergne (FRA) Toro Rosso +0,720 Sek. (80)
3. Sebastian Vettel (GER) Red Bull +0,729 (50)
4. Lewis Hamilton (GBR) McLaren +0,763 (86)
5. Romain Grosjean (FRA) Lotus +0,852 (95)
6. Kamui Kobayashi (JPN) Sauber +0,957 (76)
7. Nico Hülkenberg (GER) Force India +1,100 (90)
8. Bruno Senna (BRA) Williams +1,255 (125)
9. Jarno Trulli (ITA) Caterham +2,066 (117)