Die Saison ist noch ganz jung und dennoch nervt mich etwas. Und gleichzeitig frage ich mich: Bin ich unsensibel, zeige ich zu wenig Verständnis? Da gibt es einen Formel-1-Rennstall, nennen wir ihn Red Bull, der seit 2010 viermal Doppelweltmeister wurde und von 77 Rennen (zwischen 2010 und 2013) 41 gewann. Vorsichtig formuliert, man ist erfolgsverwöhnt beim österreichischen Team.
Das Gefühl, eine Niederlage einstecken zu müssen, war bis vor kurzem schon wieder vergessen. Und jetzt, wo es nach dem Reglementwechsel nicht nahtlos weitergeht mit Seriensiegen von Sebastian Vettel - wobei erst ein Rennen gefahren wurde - liegen die Nerven bereits blank. Und da kommen die österreichischen Charakterzüge des Rennstalls ein wenig zur Geltung - es wird nach Herzenslust gejammert und anderen die Schuld gegeben.
Eine kurze Jammerliste der vergangenen Wochen:
- Das sei nur geändert worden, um Red Bull zu bremsen.
- Außerdem klingen die neuen Autos wie "Staubsauger", und sind voll fad zu fahren meinte Vettel.
- Die , dass es soviele technische Probleme gibt.
- Die FIA und der Erzeuger der wurde.
- Wenn sich die Formel 1 so weiterentwickelt, steigen wir aus, meinte Dietrich Mateschitz.
- Nico Rosberg fuhr zu langsam und ist schuld, dass Vettel nicht mehr rechtzeitig vor dem Ablaufen der Zeit über die Start-Ziel-Linie fuhr und deshalb seine Zeit nicht verbessern konnte.
Alles eine große Verschwörung gegen das Gute-Laune-Team a.D.? Hier sind meine Gegenargumente:
- Red Bull war bei der letzten Regeländerung der große Profiteur, jetzt ist es eben Mercedes.
- Wieso wird über den Klang überhaupt soviel diskutiert? Hier geht es um Rennsport und nicht um das Neujahrskonzert. Den Fans an der Strecke wird auch weiterhin beim erstmaligen Anlassen der Triebwerke beim Freitagstraining und dem ersten Vorbeifahren an der Tribüne die Gänsehaut kommen. Es ist nun mal das Beste, was es im Motorsport gibt, und wem das zu fad ist, der kann ja woanders sein Glück suchen.
- Renault ist nicht alleine schuld, denn bei anderen Teams gab es bei den Tests weniger Probleme. Auch das aggressive Design des RB10 trug zu den Troubles bei.
- Sämtliche Warnungen und auch das gute Zureden während des Australien-GP vonseiten der Rennleitung wurden von Red Bull ignoriert. Die anderen Rennställe nahmen es ernst und wurden nicht disqualifziert.
- In mehr als 60 Jahren Formel 1 kamen und gingen unzählige Rennställe. Auch der Verlust von Red Bull würde die Rennserie nicht umbringen.
- Solche Sachen passieren und wenn es entscheidend war, werden die Regelhüter sicherlich einschreiten. Red Bull riskierte, man wollte unbedingt die besseren Streckenbedingungen am Ende der Session nutzen. Bei diesen starken Regenfällen ein hohes Risiko, da es leicht zu zeitraubenden Zwischenfällen auf der Aufwärmrunde kommen kann. Und am Ende ging es um etwa fünf Sekunden, die entschieden haben. Wer so knapp kalkuliert, muss auch damit rechnen, dass es mal nicht aufgeht.
Es hat leider immer mehr den Anschein, als würde Red Bull eines werden: Ein schlechter Verlierer. Mich nervt das Gejammere über Niederlagen, denn sie sind Teil des Sports und machen ihn spannend. Und auch Verlieren macht sympathisch, wenn man es mit Würde tut und seine Lehren daraus zieht, damit es wieder nach oben geht. Doch dazu muss man erst einsehen, dass man selbst nicht fehlerlos ist.