Kopfhörer-Test

Redmi Headphones Neo überraschen trotz Kampfpreis

Große Treiber, lange Laufzeit und aktive Geräuschunterdrückung zum kleinen Preis: Die Redmi Headphones Neo treten selbstbewusst auf.
Rene Findenig
29.05.2026, 07:00
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Mit den Redmi Headphones Neo bringt Xiaomi einen Over-Ear-Kopfhörer auf den Markt, der auf den ersten Blick beinahe zu viel verspricht. Aktive Geräuschunterdrückung mit bis zu 42 dB, Hi-Res-Audio über Kabel, 72 Stunden Akkulaufzeit und gleich mehrere Komfortfunktionen für knapp 60 Euro – das liest sich eher nach Mittelklasse als nach Einstiegsbereich. Genau dort wird es spannend. Denn günstige Kopfhörer scheitern oft nicht an einzelnen Funktionen, sondern daran, dass das Gesamtpaket unfertig wirkt. Manche klingen ordentlich, sitzen aber unbequem. Andere halten lange durch, liefern aber schwache Mikrofone oder ein enttäuschendes ANC. Die Redmi Headphones Neo wollen offenbar alles gleichzeitig sein.

Xiaomi hat die Headphones Neo schlicht gehalten hat. Das Modell in Schwarz wirkt zurückhaltend und verzichtet auf auffällige Designspielereien. Die Ohrmuscheln sind groß genug, um das Ohr vollständig zu umschließen. Mit 263 Gramm gehören die Redmi Headphones Neo nicht zu den ultraleichten Modellen, gleichzeitig wirken sie aber auch nicht schwer. Im Alltag entsteht eher der Eindruck eines typischen Mittelklasse-Kopfhörers, der stabil genug gebaut ist, ohne luxuriös zu wirken. Interessant ist, dass Xiaomi hier trotz des niedrigen Preises nicht ausschließlich auf Kunststoff setzt. Wer zuvor deutlich teurere Modelle genutzt hat, merkt jedoch schnell Unterschiede bei Gelenken, Polsterung und Verarbeitungsqualität.

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Kopfhörer mit kräftigem, unkompliziertem Klangcharakter

Doch genau hier zeigt sich die Zielgruppe der Redmi Headphones Neo. Sie richten sich nicht an Audio-Enthusiasten, die vierstellige HiFi-Anlagen besitzen, sondern an Menschen, die im Alltag möglichst viele Funktionen ohne hohen Preis suchen. Entscheidend wird die Klangqualität. Xiaomi verbaut einen 40-Millimeter-Dynamiktreiber mit Titanmembran. Die Neo setzen hörbar auf kräftige Bässe. Musik mit elektronischen Elementen oder starkem Rhythmus bekommt dadurch spürbar mehr Druck. Gleichzeitig kippt der Klang nicht sofort ins Dumpfe ab, wie es bei billigen Bass-Abstimmungen häufig passiert. Stimmen bleiben verständlich, Höhen wirken nicht komplett verschluckt. Dennoch zeigen sich Grenzen bei Feinheiten in komplexen Musikstücken.

Gerade bei Popmusik, Podcasts oder Streaming-Videos funktioniert die Abstimmung aber überraschend gut. Die Redmi Headphones Neo versuchen gar nicht erst, analytisch oder neutral zu klingen. Stattdessen liefern sie einen Sound, der sofort gefällig wirkt. Das dürfte vielen Nutzern im Alltag sogar lieber sein als ein nüchterner Studioklang. Wer unterwegs Musik hört, Serien streamt oder Videos schaut, bekommt einen kräftigen, unkomplizierten Klangcharakter, der kaum Einarbeitung braucht. Dazu kommt die Möglichkeit, den Equalizer in der "Xiaomi Earbuds"-App anzupassen. Das ist wichtig, weil günstige Kopfhörer oft mit einem fixen Klangprofil ausgeliefert werden. Xiaomi erlaubt hier zumindest eine gewisse Individualisierung.

Xiaomi bewirbt die Unterstützung von Hi-Res-Audio

Nutzer können also nachjustieren, wenn ihnen der Bass zu dominant erscheint oder Stimmen stärker hervorgehoben werden sollen. Die App übernimmt außerdem Firmware-Updates. Spannend ist auch die kabelgebundene Nutzung via USB-C. Xiaomi bewirbt die Unterstützung von Hi-Res-Audio über USB-Audio. Damit unterscheiden sich die Neo von vielen günstigen Bluetooth-Kopfhörern, die kabelgebunden nur über klassische Klinkenanschlüsse oder gar nicht sinnvoll nutzbar sind. Allerdings ersetzt das nicht hochwertige Studio-Kopfhörer. Im Alltag deutlich wichtiger als Hi-Res-Logos ist allerdings die aktive Geräuschunterdrückung. Genau hier werden viele günstige Modelle schnell entlarvt. Xiaomi verspricht ANC mit bis zu 42 dB.

Dazu gibt es drei einstellbare Intensitätsstufen und eine adaptive Geräuschreduzierung, die sich automatisch an die Umgebung anpasst. Gleichmäßige Hintergrundgeräusche wie Klimaanlagen, Lüfter oder das monotone Dröhnen öffentlicher Verkehrsmittel werden hörbar reduziert. Absolute Stille entsteht aber nicht. Gerade Stimmen oder plötzliche Geräusche dringen weiterhin durch. Das überrascht allerdings nicht. Selbst deutlich teurere Kopfhörer kämpfen mit solchen Situationen. Entscheidend ist vielmehr, dass das ANC der Redmi Headphones Neo im Alltag tatsächlich einen Nutzen bringt. Wer in der U-Bahn sitzt oder im Büro konzentrierter arbeiten möchte, merkt schnell den Unterschied zwischen den ANC-Stufen.

Mit ANC entsteht ein deutlich ruhigeres Klangbild

Dabei hilft auch die passive Abschirmung durch die Over-Ear-Bauweise. Die Ohrmuscheln schließen relativ gut ab und reduzieren dadurch bereits ohne aktive Technik einen Teil der Umgebung. Zusammen mit ANC entsteht ein deutlich ruhigeres Klangbild. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Sprachqualität bei Telefonaten. Xiaomi setzt auf eine Triple-Mic-KI-Geräuschreduzierung. Zusätzlich soll eine Windgeräuschunterdrückung bis zu fünf Meter pro Sekunde möglich sein. Solche Angaben sind im Alltag schwer exakt messbar, dennoch zeigt sich ein Unterschied zu sehr billigen Bluetooth-Kopfhörern. Stimmen bleiben bei Anrufen vergleichsweise verständlich, selbst wenn Umgebungsgeräusche vorhanden sind.

Natürlich darf man auch hier keine Wunder erwarten. In sehr lauten Umgebungen stoßen die Mikrofone an Grenzen. Doch gerade für Videocalls, normale Telefonate oder Sprachnachrichten reicht die Qualität problemlos aus. Xiaomi versucht hier offensichtlich, die Neo als Alltagsgerät für möglichst viele Situationen zu positionieren – Musik, Streaming, Arbeit und Telefonie sollen gleichermaßen abgedeckt werden. Besonders auffällig ist die enorme Akkulaufzeit. Xiaomi spricht von bis zu 72 Stunden Musikwiedergabe bei deaktiviertem ANC. Natürlich hängt die tatsächliche Laufzeit stark von Lautstärke, Nutzung und ANC-Einsatz ab. Trotzdem zeigt die Größenordnung, dass die Redmi Headphones Neo nicht ständig ans Ladekabel müssen.

Im Alltag reduziert das ANC vor allem gleichmäßige Hintergrundgeräusche wie Verkehr oder Lüfter hörbar.
Rene Findenig

Bluetooth 5.4, Google Fast Pair und auch Audio Sharing

Xiaomi kombiniert die große Laufzeit zusätzlich mit Schnellladen. Zehn Minuten am Kabel reichen für bis zu fünf Stunden Musikwiedergabe aus. Geladen wird über USB-C, ein Ladegerät liegt nicht bei. Bei der Verbindung setzt Xiaomi auf Bluetooth 5.4. Die Redmi Headphones Neo unterstützen außerdem Google Fast Pair. Android-Nutzer können die Kopfhörer dadurch besonders schnell koppeln und gar nicht zwingend auf die "Xiaomi Earbuds"-App zugreifen, außer sie möchten Klangeinstellungen ändern. Dazu kommt die Möglichkeit, zwei Geräte gleichzeitig zu verbinden. Auch Audio Sharing wird unterstützt. Damit lassen sich Inhalte gemeinsam mit einer anderen Person anhören, sofern kompatible Geräte vorhanden sind.

Trotz der langen Ausstattungsliste bleibt allerdings die Frage, wo Xiaomi sparen musste. Die Antwort zeigt sich weniger bei einzelnen Funktionen als vielmehr im Gesamtgefühl. Die Redmi Headphones Neo liefern in fast allen Bereichen solide Ergebnisse, erreichen aber keine Spitzenwerte. Das ANC funktioniert ordentlich, schlägt High-End-Modelle aber nicht. Der Klang ist kräftig und alltagstauglich, erreicht aber keine audiophile Präzision. Die Verarbeitung wirkt stabil genug, aber nicht luxuriös. Xiaomi konzentriert sich darauf, wenige gravierende Schwächen entstehen zu lassen. Viele Billigkopfhörer scheitern daran, weil sie ein einzelnes Feature aggressiv bewerben und dafür an anderer Stelle massiv sparen, die Neo aber nicht.

Redmi Headphones Neo überraschen trotz Kampfpreis

Spannend ist dabei, wie stark sich der Markt verändert hat. Funktionen wie ANC, Multipoint-Verbindungen oder lange Akkulaufzeiten galten früher als Luxusklasse. Heute landen sie zunehmend in günstigen Geräten wie den Redmi Headphones Neo. Das bedeutet nicht, dass alle Qualitätsunterschiede verschwinden. Es zeigt aber, wie stark sich die Erwartungen verschoben haben. Im Alltag entsteht dadurch ein interessanter Eindruck. Die Kopfhörer versuchen nicht ständig zu beweisen, wie "premium" sie sind. Stattdessen erledigen sie ihre Aufgaben gut. Musik hören, Videos streamen, telefonieren, unterwegs Geräusche reduzieren – all das funktioniert ohne große Überraschungen. Gerade viele Nutzer suchen heute genau das.

Wer allerdings maximale Klangdetails erwartet, wird Grenzen hören. Besonders bei hochwertig produzierter Musik fehlt stellenweise die feine Trennung einzelner Instrumente. Sehr komplexe Stücke wirken teilweise kompakter und weniger offen als bei teureren Konkurrenten. Die Neo setzen stärker auf einen kräftigen, direkten Klangcharakter als auf absolute Präzision. Auch das ANC kann nicht mit Spitzenmodellen mithalten, die mehrere hundert Euro kosten. Besonders wechselnde Geräusche oder Stimmen werden nicht vollständig ausgefiltert. Trotzdem wäre es unfair, die Redmi Headphones Neo an Geräten zu messen, die das Vier- oder Fünffache kosten. Im Bereich um 60 Euro liefern sie vielmehr ein erstaunlich komplettes Kopfhörer-Paket.

{title && {title} } rfi, {title && {title} } 29.05.2026, 07:00
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