Das Unwetter vom Donnerstag sei "binnen Sekunden" über den nichtsahnenden Badegästen hereingebrochen, erklärte Georg Fejan, Bezirkshauptmann von Wolfsberg. Sogar die Rettungsschwimmer traf die Wetterfront völlig unvorbereitet, sie konnten für die zahlreichen Badegäste nichts mehr tun. Zwei Mädchen wurden von einem Baum erschlagen und waren sofort tot. Ähnlich ging es den drei Wanderern, die in Niederösterreich durch dasselbe Gewitter getötet wurden.
Beim Wetter-Experten Jörg Kachelmann sorgte das für Unverständnis und Entsetzen. Angesichts dessen, dass es seitens der Behörden keinerlei Warnungen, aber später Beileid-Bekundungen via Social Media gab, platzt ihm im "Puls24"-Interview fast der Kragen.
Wetter-Experte wütet im TV: "Tote hätten nicht sein müssen" >>
"Ein großer Gewitterkomplex mit entsprechenden Böen hat sich in Korsika gebildet und ist nach Österreich gezogen. Zuerst Korsika, dann Italien und nicht weiter überraschend, weil man auf den Satelliten und Radarbilder beobachten konnte, zog das Unwetter diagonal durch Österreich. Das war absolut vorhersehbar", erklärt der Meteorologe. "Das war eben so eine klassische Wetterlage, bei der DARF niemand sterben."
Noch tragischer wird dieser Umstand angesichts der Tatsache, dass es seit Ende Juni eigentlich eine EU-Richtlinie gibt, die die Mitgliedsländer zur Einführung eines Handy-Alarmierungssystems verpflichtet. Doch Österreich hat dieses bisher schlichtweg nicht umgesetzt.
Wie die "Kleine Zeitung" berichtet, ging der entsprechende Verordnungs-Entwurf erst dieses Wochenende in Begutachtung. Im Herbst wird dann mit dem Aufbau der notwendigen Infrastruktur begonnen werden. Diese sendet dann an alle Handys, die in einer Funkzelle eingeloggt sind, eine Push-Nachricht mit der entsprechenden Warnung. Erst 2023 wird das System dann womöglich einsatzbereit sein.
Doch warum ist es das nicht schon längst? Die zuständigen Stellen (Bundesländer, Innen- und Landwirtschaftsministerium, die RTR sowie die großen Netzbetreiber) hätten sich erst einmal über die Zuständigkeiten und Umsetzung einigen müssen. "Ausgebremst wurde die Umsetzung zudem durch die Regierungsumbildungen der letzten Jahre", heißt es in der "Kleinen Zeitung" in Bezugnahme auf den Bund.
"Eine Alarmierung im Katastrophenfall kann Menschenleben retten", mahnt deswegen der Kärntner Katastrophenschutzreferent Daniel Fellner ebenda. Auch Harald Eitner, Leiter der steirischen Katastrophenschutzabteilung, ist überzeugt: Solch ein Alarmierungssystem wäre am Donnerstag hilfreich gewesen.