"Wollen Sie ein ...?"

Richter stellt Angeklagtem vor Urteil eine Frage

Fast 6 Jahre lang bezahlte ein Murtaler seinen privaten Sprit mit Tankkarten der Feuerwehr. Nun musste sich der Pensionist vor Gericht verantworten.
André Wilding
09.09.2026, 11:30
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Eine Überwachungskamera brachte schließlich ans Licht, was jahrelang unbemerkt geblieben war. Ein ehemaliges Mitglied einer Freiwilligen Feuerwehr im Murtal soll die Tankkarten seiner Feuerwehr immer wieder für sein eigenes Auto verwendet haben. Am Dienstag musste sich der Pensionist deshalb am Landesgericht Leoben verantworten.

Vor Gericht machte der Angeklagte laut "Kleine Zeitung" keinen Hehl daraus, dass ihm die Sache unangenehm ist. "Sie wissen, dass das ein enormer Vertrauensbruch war?", fragte ihn der Richter zu Beginn. "Ja, da brauchen wir gar nicht reden", antwortete der Pensionist.

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Mehr als 2.700 Euro Schaden

Der Mann war laut "Kleine Zeitung" viele Jahre aktives Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr in seiner Heimatgemeinde. Von Oktober 2020 bis April dieses Jahres verwendete er laut Anklage immer wieder Feuerwehr-Tankkarten, um damit den Treibstoff für seinen privaten Pkw zu bezahlen.

Die Kosten der Feuerwehr-Tankrechnungen werden von der Gemeinde getragen. Insgesamt entstand durch die zahlreichen Betankungen ein Schaden von mehr als 2.700 Euro.

Der Pensionist hatte bereits bei der Polizei ein umfassendes Geständnis abgelegt. Den entstandenen Schaden hat er inzwischen vollständig ersetzt.

Kamera überführt Feuerwehrmann

Aufgeflogen war die Sache durch eine Überwachungskamera. Diese war bei der Feuerwehr eigentlich zur Prävention installiert worden. Kurz nach der Inbetriebnahme wurde damit jedoch der Kamerad aufgenommen, als er sein privates Fahrzeug betankte.

Die Konsequenz folgte umgehend: Der Mann wurde aus der Feuerwehr ausgeschlossen. Vor Gericht verzichtete der bisher unbescholtene Pensionist auf einen Rechtsbeistand. Weil er geständig war, konnte das Beweisverfahren rasch abgeschlossen werden.

Der Feuerwehrkommandant musste nicht mehr vor Gericht aussagen, da er seine Angaben bereits bei der Polizei zu Protokoll gegeben hatte, berichtet die Tageszeitung.

Sechs Monate bedingt

Die Staatsanwaltschaft forderte einen Schuldspruch. "Wollen Sie ein mildes Urteil?", fragte der Richter den Angeklagten laut "Kleine Zeitung". Dieser nickte.

Das Gericht verurteilte den ehemaligen Feuerwehrmann schließlich zu sechs Monaten bedingter Haft bei einer Probezeit von drei Jahren. Außerdem muss er die Kosten des Verfahrens bezahlen.

Erschwerend wertete das Gericht den langen Tatzeitraum, die zahlreichen Betankungen und den Missbrauch des Vertrauensverhältnisses. Für den Pensionisten sprach hingegen, dass er bisher unbescholten war.

Der Mann nahm das Urteil an. Zum Abschied gab ihm der Richter laut "Kleine Zeitung" noch einen Satz mit auf den Weg: "Beruflich werden wir uns nie wieder sehen".

wil,09.09.2026, 11:30