Es dauerte nur wenige Minuten – doch Peter Bauer wird diesen Moment wohl nie vergessen. Im September 2023 saß der Steirer mit seiner Familie in einer Strandbar im italienischen Lignano, als plötzlich sein Kreislauf versagte. Er wurde bewusstlos, sein Kopf kippte nach hinten und seine Zunge verschloss die Atemwege.
Sein Schwiegersohn in spe bemerkte die dramatische Situation und rief laut nach medizinischer Hilfe. Ein paar Tische weiter saß ein Krankenpfleger mit seiner Familie. Er hörte die Rufe, eilte zu Bauer und erkannte sofort, was zu tun war. Der Pfleger zog die Zunge des Bewusstlosen nach vorne und machte so die Atemwege wieder frei. Kurz darauf holte Bauer wieder kräftig Luft.
"Als er wieder durchgeatmet hat und zu Bewusstsein gekommen ist, ist das auch für mich ein tolles Gefühl gewesen", erzählt der Pfleger später. Nur eines wurde in der Aufregung vergessen: Niemand fragte nach dem Namen oder einer Telefonnummer des Mannes, der Bauer gerade das Leben gerettet hatte.
Nach dem Urlaub erzählte Bauer die Geschichte immer wieder. Er wollte den unbekannten Helfer unbedingt finden und ihm persönlich danken. Viel wusste er allerdings nicht über ihn: Er hatte braune Haare, war Steirer und arbeitete als Pflegekraft auf einer Lungenintensivstation.
Dann bekam Tanja Baldasty von der Geschichte mit. Sie leitet am LKH-Univ. Klinikum Graz ein 29-köpfiges Team, das unter anderem für die Telefonvermittlung zuständig ist. Einfach nach einem Mitarbeiter zu suchen und dessen Daten weiterzugeben, war aus Datenschutzgründen natürlich keine Möglichkeit. Baldasty aktivierte deshalb ihr persönliches Netzwerk. Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Abteilungen wurden angesprochen, ebenso Sekretariate und ehemalige Mitarbeiter. Die Suche wurde schließlich so groß, dass sogar eine eigene WhatsApp-Gruppe entstand.
Eine Spur führte schließlich zu drei Männern, die zu Bauers Beschreibung passen konnten. Doch keiner davon war der gesuchte Lebensretter.
Einer der Männer, Marc Perhab, erzählte daraufhin von seiner Partnerin Mia Rauter, die als DGKP am LKH Graz II in Enzenbach arbeitet. So wanderte die Geschichte weiter – bis nach insgesamt rund zweieinhalb Jahren plötzlich der entscheidende Name fiel: Christoph Krammer. Der Krankenpfleger arbeitet als DGKP am LKH Graz II, Standort Enzenbach.
Anfang Juli kam es schließlich zum ersten Telefonat zwischen den beiden Männern. Für Bauer war es ein hochemotionaler Moment. "Es war ein sehr emotionales Gespräch. Ich konnte ihm endlich persönlich sagen, wie dankbar ich ihm bin und dass ich ihm mein Leben verdanke", erzählt Bauer.
Besonders beeindruckte ihn, wie locker und bescheiden Krammer mit der Geschichte umging. Denn für den Pfleger war der Vorfall längst Vergangenheit. "Erste Hilfe zu leisten, ist für mich selbstverständlich. Ich habe mich aber sehr gefreut, besonders, als ich gehört habe, dass Herr Bauer gesund und fit ist."
Wenig später trafen sich die beiden erstmals persönlich – dort, wo die Suche ihren entscheidenden Weg genommen hatte: am Uniklinikum Graz. Lebensretter und Geretteter standen sich nach fast drei Jahren wieder gegenüber. Auch die Mitarbeiter des Vermittlungsteams erhielten von Bauer ein persönliches Dankeschön. Eine Karte von ihm hängt bis heute im Büro.
"Wir haben uns sehr über den herzlichen Dank und die Wertschätzung von Peter Bauer gefreut", sagt Baldasty. "Unsere Arbeit findet oft im Hintergrund statt und wird manchmal erst bemerkt, wenn etwas nicht funktioniert. Es ist schön, dass wir einen Teil zur erfolgreichen Suche beitragen konnten und dass auch im großen Uniklinikum die Zusammenarbeit und der Austausch zwischen den unterschiedlichen Bereichen dies ermöglicht hat."
Für Krammer bleibt von der Geschichte vor allem eine Botschaft: "Ich würde jedem Menschen ans Herz legen, keine Angst davor zu haben, zu helfen. Es ist viel schlimmer, nichts zu unternehmen. Das Gesetz schützt Ersthelfer, die nach bestem Wissen und Gewissen handeln. Jeder kann Lebensretterin werden – man muss sich nur trauen, etwas zu tun."
Peter Bauer geht es heute gut. Und seit seinem Erlebnis in Lignano blickt er offenbar anders auf seinen Alltag: "Ich genieße jeden Tag noch bewusster als früher. Dieses Erlebnis hat mir gezeigt, wie kostbar und zugleich wie zerbrechlich das Leben ist."