Aus einer gewöhnlichen Verkehrskontrolle entwickelte sich in Graz ein Fall für das Strafgericht. Ein Polizist soll laut "Kronen Zeitung" einer Autolenkerin nach einer Geschwindigkeitsüberschreitung den Strafzettel erlassen haben - und das offenbar nicht ohne Hintergedanken.
Am 1. April war die Frau im Bezirk Graz-Straßgang mit ihrem Auto in einer 30er-Zone zu schnell unterwegs. Bei der Kontrolle stellte der Beamte ihr wegen der Übertretung eine Organstrafe in Höhe von 20 Euro aus. Weil die Lenkerin weder Bargeld dabeihatte noch ihre Bankomatkarte verwenden konnte, erhielt sie ein bargeldloses Mandat.
Nach dem Einsatz soll der Polizist den Namen der Frau im Internet gesucht und auf diese Weise ihre Handynummer gefunden haben. Laut seinen späteren Angaben hoffte er auf einen "Schriftverkehr" mit ihr. Tatsächlich kamen die beiden anschließend in Kontakt, heißt es im Bericht der Tageszeitung.
Im Laufe des Austauschs fragte die Frau dann schließlich, ob sich der Strafzettel nicht verschwinden lassen könne. Der Polizist soll laut "Krone" zugestimmt und den Behördenschrieb noch vor der Weiterleitung an die zuständige Stelle aus der dafür vorgesehenen Mappe genommen haben.
Wie sich später herausstellte, bekam der Beamte jedoch Gewissensbisse und wollte den Strafzettel wieder zurücklegen. Dazu kam es allerdings nicht mehr. Der Vorfall flog auf, der Polizist wurde suspendiert.
Wie Barbara Schwarz, Sprecherin des Grazer Straflandesgerichts, gegenüber der "Krone" bestätigt, ist der Beamte wegen Amtsmissbrauchs angeklagt. Ob der Polizist seine Befugnisse tatsächlich missbraucht hat, muss nun das Gericht klären.