15 statt 3 Ampeln

Riesen-Umweg – Streit um Straßensperre sorgt für Wirbel

Die Durchfahrt durch den Prater bleibt dicht – jetzt wächst der Ärger. Die Wirtschaftskammer Wien läuft Sturm und fordert Ausnahmen.
Wien Heute
11.03.2026, 14:32
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Der intensive Baustellensommer liegt noch weit vor uns, doch der Ärger über Bauarbeiten und gesperrte Straßen wächst längst. Noch bis Juli 2026 wird die Stadionbrücke (Wien-Landstraße, Leopoldstadt) generalsaniert. Gleichzeitig wird die Straßenbahnlinie 18 um 3,1 Kilometer verlängert – von der U3 Schlachthausgasse bis zum Ernst Happel Stadion. Sieben neue Haltestellen entstehen, die Strecke führt über Meiereistraße und Stadionallee quer durch den Prater. Seit Juni 2025 gilt dort deshalb eine Durchfahrtssperre. Doch selbst wenn die Bauarbeiten beendet sind, sollen Autos weiterhin draußen bleiben.

"Versteckte Verteuerung des Alltags"

Für die Wiener Taxi-Branche ist das ein großes Problem, wie die "Krone" berichtet. Die Wirtschaftskammer Wien fordert eine Ausnahmeregelung für Taxis und gewerbliche Kleintransporteure. Denn die Umwege haben es in sich: Statt direkt durch den Prater zu fahren, müssen viele Fahrzeuge künftig über die Südosttangente (A23) ausweichen.

Die Strecke wächst dadurch auf 4,9 Kilometer. Über den Praterstern sind es sogar rund sechs Kilometer – fast viermal so viel wie bisher. Statt drei Ampeln warten auf den Fahrern dann gleich 15.

"Wir haben Verständnis für eine verbesserte Anbindung an den öffentlichen Verkehr, aber nicht dafür, dass unsere Fahrgäste für Umwegfahrten zur Kasse gebeten werden", sagt Resul Ekrem Gönültaş, Obmann der Wiener Taxi-Innung. "Wenn eine Taxifahrt wegen eines Fahrverbots plötzlich 10 bis 12 Euro mehr kostet, ist das eine versteckte Verteuerung des Alltagslebens der Wiener." Weil Taxis kilometergenau abrechnen, schlagen sich längere Strecken sofort im Fahrpreis nieder – und treffen direkt die Fahrgäste.

WK: Ausnahme leicht kontrollierbar

Schon jetzt gilt auf dem 1,1 Kilometer langen Abschnitt an Wochenenden ein Fahrverbot für Autos und Motorräder. Ausgenommen sind Linienbusse und Taxis. Genau dieses Modell will die Wirtschaftskammer ausweiten. Ihrer Meinung nach wäre eine Kontrolle einfach: Wiener Taxis tragen die Kennzeichenendung TX, gewerbliche Kleintransporteure KT – beides sofort erkennbar.

Stadt bleibt hart

Doch von der Stadt kommt Gegenwind. Laut MA46 (Verkehr) tragen in Wien rund 30.000 Fahrzeuge Kennzeichen mit den Endungen TX oder KT. Eine Ausnahme würde bedeuten, dass all diese Fahrzeuge – unabhängig davon, ob sie tatsächlich in der Gegend zu tun haben – die Stadionallee nutzen dürften. Außerdem stelle sich die Grundsatzfrage: Warum ausgerechnet Taxis und Kleintransporteure – und nicht auch Installateure oder Pflegedienste?

Mehr Ruhe im Prater

Die Stadt argumentiert vor allem mit der Erholung im Grünen. Die Prater Hauptallee werde von vielen Menschen zum Laufen, Spazieren, Radfahren oder mit Kinderwagen genutzt. Bisher sei diese Erholungsachse an der Stadionallee immer wieder von Autoverkehr – teils sogar Schwerverkehr – unterbrochen worden. Mit der neuen Regelung werde dort künftig nur noch die Straßenbahn queren. Das bedeutet: Das Fahrverbot bleibt.

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