Sport

Riesendruck 18 Jahre nach Onkels Sensation

Heute Redaktion
14.09.2021, 15:35

Am letzten Formel-1-Wochenende werden wohl viele Augen auf Bruno Senna gerichtet sein. Der Neffe der 1994 verunglückten Legende will in Interlagos für die Sensation sorgen, so wie sein Onkel vor 18 Jahren. Die hat er auch nötig, wenn er auch im kommenden Jahr ein Cockpit in der Königsklasse haben möchte.

Ayrton Senna war der letzte Formel-1-Pilot, der während eines Rennens ums Leben kam. Mit dem tragischen Tod in Imola setzte in der Königsklasse das Sicherheitsdenken ein, heute gilt die Rennserie trotz Geschwindigkeiten weit jenseits der 300 km/h als die sicherste der Welt. Davon profitiert die aktuelle Fahrergeneration rund um Sennas Neffen Bruno, der erst zehn Jahre alt war, als sein Onkel im Williams in der Tamburello-Kurve verunglückte.

Bruno Senna hatte bereits in jungen Jahren einen weiteren Schicksalschlag zu verkraften: Sein Vater starb bei einem Motorradunfall, nur zwei Jahre nach dem Tod des dreifachen Formel-1-Weltmeisters. Deshalb verschwieg der junge Brasilianer sehr lange seinen Wunsch, in die Fußstapfen seines berühmten Onkels treten zu wollen. Erst mit 20 Jahren traute er sich in die Motorsportwelt und hatte dabei einen prominenten Unterstützer: Ayrton Sennas ehemaligen Teamkollegen Gerhard Berger.

Bruno hatte kaum Motorsporterfahrung, als Fünfjähriger nahm ihn Ayrton einmal zu einem Training mit. Der dreifache Weltmeister meinte noch ein Jahr vor seinem Tod: "Wenn ihr glaubt, dass ich schnell bin, wartet erst mal auf meinen Neffen Bruno." Diese Aussage konnte der Neffe allerdings bisher nicht unter Beweis stellen. Sein Karriere-Highlight war 2008 die Vizemeisterschaft in der GP2.

Erst 2010 verschafften ihm sein Name und Sponsormillionen ein Cockpit beim Nachzügler-Team HRT. Zu Beginn der aktuellen Saison stand der Brasilianer wieder ohne Cockpit da, ersetzte aber ab Saisonmitte  Nick Heidfeld  bei Renault. Bislang reichte es aber nur zu zwei mageren WM-Punkten. Beim Heimspiel in Interlagos am Wochenende (Rennen am Sonntag um 17 Uhr) muss deshalb einiges passieren, damit Senna der Formel 1 erhalten bleibt.

Dies wäre auch im Sinne der hunderttausenden Fans, die beim Saisonfinale erwartet werden. Ayrton Senna wird in Brasilien auch heute noch wie ein Gott verehrt. Deshalb steht sein Neffe im Fokus. "Es wird am Rennwochenende sehr viel los sein. Ich habe eine Vielzahl von PR- und Sponsorenterminen", erzählt Senna.

"Im vergangenen Jahr erfuhr ich, dass sie sich sehr um mich kümmern und mit sehr viel Leidenschaft dabei sind. Ich würde das gerne erwidern, indem ich ein Ergebnis erziele, auf das man stolz sein kann", weiß der Renault-Pilot, der den 28. März 1993 wohl wie viele Senna-Fans in bester Erinnerung hat.

Damals gewann Ayrton Senna zum zweiten Mal sein Heimrennen. Dieser Sieg war geschichtsträchtig, Senna triumphierte trotz Stop-and-Go-Strafe, weil er im Regen zu einer phänomenalen Aufholjagd startete. Allein ein Podestplatz des Neffen 18 Jahre danach würde wohl Brasilien in kollektiven Jubel versetzen - und wohl seine Formel-1-Karriere retten. Da sich Renault allerdings am absteigenden Ast befindet, sind die Chancen hierfür eher gering.

Markus Miksch

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen