Vergessen Sie Paul Scharner: Hier kommt Robert Waltner! Auf den ersten Blick ist Robert Waltner einer von vielen Legionären, die in Österreich ihr Glück versuchen. Auf den zweiten Blick offenbart der 31-jährige Ungar, dass er ein in vielerlei Hinsicht außergewöhnlicher Mensch ist.
Am Sonntag hat der neue Mattersburg-Stürmer mit seinem 2:1-Siegestor Rapid "gekillt". Jetzt spricht er bei sportnet.at in seinem ersten Interview als Mattersburg-Stürmer über sein verrücktes Leben!
In Ungarn ist er schon so etwas wie eine Legende. Denn Waltner hat dort nicht nur mit vielen Toren auf sich aufmerksam gemacht. Jetzt erfahren es auch die heimischen Fußballfans. Lesen Sie, was er über Stefan Maierhofer zu sagen hat, warum sein Hund in Ungarn eine Berühmtheit ist und warum er in Wien nicht ins Museum darf.
Robert, Du hast am Sonntag das entscheidende Tor gegen Rapid erzielt. Dein erstes in Österreich. Ist dir die Bedeutung des Treffers gegen den Rekordmeister schon bewusst?
Robert Waltner: "Ich will immer Tore schießen, egal ob Rekordmeister oder nicht. Selbstverständlich war es für mich und mein Selbstvertrauen und für die ganze Mannschaft sehr wichtig. Die Fans und die tolle Kulisse waren eine Art Extra-Doping."
Einige Rapidler haben sich nach dem Spiel beschwert, dass Mattersburg "schmutzig" gespielt hätte und der Schiedsrichter euch zum Sieg verholfen hätte. Was entgegnest Du ihnen?
"Zunächst einmal: Rapid ist eine tolle Mannschaft, vor der ich viel Respekt habe. Das Spiel war leider sehr hart. Von beiden Seiten! Es wäre vermessen zu sagen, wer dreckiger gespielt hat. Das Foul gegen mich (von Jürgen Patocka, Anm.) war ein klarer Elfmeter. Der junge Spieler, der als erster die Rote Karte gesehen hat (Yasin Pehlivan, Anm.) hat sich sehr korrekt verhalten und ohne große Aufregung den Platz verlassen. Der große Stürmer..."
...Du meinst Stefan Maierhofer.
"Richtig. Der hat leicht übertrieben mit diesem Herumgebrülle und dem Wegschießen der Trinkflasche. Vielleicht denkt er ja heute wieder anders. Das Kartenspiel nahm somit seinen Lauf. Sollten wir dreckig gespielt haben, tut es mir leid (grinst)..."
Wie erklärst Du Dir die Leistungssteigerung? Immerhin habt ihr noch vor einer Woche gegen den LASK 0:4 verloren.
"Das Spiel in Linz ist sehr unglücklich für uns verlaufen, weil wir ein schnelles Gegentor bekommen haben und dann ins Debakel gelaufen sind. Das musste schnell aus unseren Köpfen. Bei dem Spiel gegen Rapid haben wir einfach durch unseren Einsatzwillen und das Motto 'Jeder für Jeden' den Sieg auf unsere Seite gebracht."
Robert, Dein Privatleben ist etwas ungewöhnlich. Es heißt, dass Dein Hund in Ungarn berühmter ist als Du selbst. Warum?
"Ich gehe meinen eigenen Weg. Als Spieler, und auch als Mensch. Mein Hund 'Bony', ein kleiner weißer Havanese, ist wie ein Kind für mich. Wenn ich mit ihm wo hin gehe, dann erwarte ich, dass er genauso gegrüßt wird wie ich. Diesen Respekt hat sich 'Bony' einfach verdient. In Ungarn kennt ihn einfach jeder, weil er mit mir überall hin mitkommt. Auch ins Stadion."
Es soll aber auch schon Probleme gegeben haben...
"Neulich habe ich 'Bony' Wien vorgestellt. Wir wollten uns die Ausstellung 'Sisi' anschauen. Natürlich ist für 'Bony' ein solcher kultureller Ausflug ein Pflichttermin. Aber der nette Herr am Empfang - der 'Bony' übrigens auch nicht gegrüßt hat - hat ihm den Zutritt verweigert. Ich sagte ihm, dass das mein Kind sei. Also durften wir auch nicht rein. Schade! Wir hätten gerne ein bisschen österreichisch-ungarische Geschichte erlebt. Aber wir kommen wieder!" (lacht)
Und wie geht es deiner Frau damit?
"Gut! Wir haben vor zwei Monaten geheiratet und werden jetzt in eine Wohnung in Mattersburg einziehen. Eigentlich wollten wir in Ungarn bleiben und uns in Sopron etwas suchen. Das ist ja nicht weit weg. Aber es gefällt uns in Mattersburg mittlerweile so gut, dass wir unbedingt hier wohnen möchten. Nach unseren Flitterwochen auf Hawaii habe ich übrigens den Vertrag mit Mattersburg unterschrieben."
Warum eigentlich Mattersburg? Du warst in den letzten Jahren immer einer der besten Torschützen in der ungarischen Liga. Gab es keine Angebote aus einer besseren Liga?
"Ich hatte Angebote aus Belgien, Holland, Dänemark und Amerika. Aber es ist zum Teil an der Ablöse gescheitert. Darum habe ich gewartet, bis mein Vertrag im Sommer ausläuft. Mattersburg hat sich dann zur richtigen Zeit um mich bemüht und hat einfach nicht aufgegeben. Das hat mir gefallen. Das Trainerteam bis hin zu Manager Simmel haben mich einfach toll aufgenommen."
Dein spektakulärster Wechsel datiert aus dem Jahr 2002, als Du zu den Boca Juniors nach Argentinien gegangen bist.
"Die haben mich bei einem Spiel gesehen und sofort mitgenommen. Es war eine Erfahrung und Bereicherung in meinem Leben, die ich nie missen möchte. Eine der besten Klubmannschaften der Welt! Leider blieb ich nur ein Jahr."
Du hast bisher sechs Mal im ungarischen Nationalteam gespielt. Kommen noch Länderspiele dazu?
"Die WM 2010 ist mein Traum. Die Mannschaft geht den jungen Weg - mal sehen, was passiert. Immerhin war ich die letzten vier Jahre immer unter den besten Schützen. Die ungarischen Fans fordern mich ins Team und ich würde mich über eine Einladung sehr freuen."