Nach einer Drohnen-Attacke am Leipziger Flughafen spricht Deutschland von Angriffen, erklärt aber, sich nicht im Krieg zu befinden. Für Sicherheitsexperte und Geostrategen Brigadier Walter Feichtinger ist genau diese Abgrenzung zunehmend schwierig. "Es ist eine absolute Gratwanderung", erklärt er am Mittwoch im Ö1-Morgenjournal.
Von einem tatsächlichen Kriegszustand könne derzeit keinesfalls gesprochen werden. "In der Ukraine sieht man, was ein Kriegszustand ist", stellt Feichtinger klar. Gleichzeitig befinde sich Europa aber in einer Phase, in der die sogenannte hybride Kriegsführung massiv an Bedeutung gewinne.
Dabei verschwimmen die Grenzen zwischen Frieden und offenem militärischen Konflikt. Entscheidend seien laut dem Experten vor allem die Intention des Gegners und die eingesetzten Mittel.
Besonders ernst bewertet Feichtinger den Vorfall am Leipziger Flughafen. Dort soll eine mit Sprengstoff beladene Drohne nicht explodiert sein. Für den Experten ist damit eine neue Dimension erreicht: "Eine rote Linie wurde überschritten."
Auch die Einschätzung des britischen "Economist", wonach sich Wladimir Putin in einer Sackgasse sehe und deshalb den Konflikt stärker nach Europa tragen könnte, hält Feichtinger grundsätzlich für nachvollziehbar.
Das Kalkül dahinter: Durch eine Eskalation außerhalb der Ukraine könnte Russland versuchen, die Unterstützer Kiews zu irritieren und zu verängstigen. Im besten Fall aus russischer Sicht würden westliche Staaten dadurch ihre weitere Hilfe für die Ukraine überdenken oder reduzieren.
Genau deshalb komme es nun entscheidend auf die Reaktion Deutschlands an. Feichtinger sieht dabei drei zentrale Botschaften: Die Unterstützung für die Ukraine wird nicht eingestellt, Deutschland lässt sich nicht einschüchtern und ist bereit, auf weitere Aktionen zu reagieren.
Bloße Worte könnten hingegen das Gegenteil bewirken. Wenn außer Floskeln keine Konsequenzen folgten, könne sich die andere Seite ermuntert fühlen, weiterzumachen.