Tierschicksale

Rüde wurde nur kastriert – nach 24 Stunden war er tot

Für eine Familie aus Krems brach im Oktober eine Welt zusammen als der geliebte Familienhund "Manfred" durch einen Kunstfehler verstarb.

Christine Kaltenecker
Rüde wurde nur kastriert – nach 24 Stunden war er tot
Der Kampfschmuser "Manfred", liebevoll "Freddy" genannt, überlebte die Kastration nicht.
©privat

Keine Frage, bei jedem chirurgischen Eingriff gibt es Risiken. Dessen war sich auch Hundebesitzerin Marion S. (Name von der Redaktion geändert) aus Krems bewusst, als sie ihren erst zweijährigen, reinrassigen Rottweiler-Rüden am 17. Oktober 2023 "Manfred" zum Tierarzt im Ort brachte. Für die Kastration eines Rüden sollte man auch eigentlich keine Rezensionen besonders aufmerksam durchlesen müssen, doch die Kremserin sollte leider bald eines Besseren belehrt werden: Nur einen Tag nach der Kastration hörte das Herz von "Freddy" auf zu schlagen. 

Zunächst lief alles nach Plan

Etwa 30 Minuten dauert eine komplikationsfreie Kastration eines Rüden - mit Vorbereitungen, wie Intubieren, Rasieren, Narkose etc., muss der Besitzer etwa mit zwei Stunden rechnen. "Bei der Abholung war 'Manfred' noch komplett wackelig und konnte sich kaum auf den Beinen halten", erzählt Marion S. traurig und erwähnt auch, dass sie es in dem Zustand eigentlich merkwürdig fand, den Hund schon mitnehmen zu dürfen. "Der Tierarzt aber gab grünes Licht und meinte, dass 'Freddy' bald wieder fit sein würde". 

Keine Besserung nach mehreren Stunden

Am darauffolgenden Mittwoch war der sonst so agile "Freddy" noch immer lethargisch und kaum ansprechbar. "Er hat nur ein bisschen getrunken, als ich ihm die Wasserschüssel vor die Nase hielt. Gefressen hat er seit dem Eingriff gar nichts", erzählt die Besitzerin mit einem Kloß im Hals. Der Tierarzt wurde sofort informiert und versprach vorbei zu kommen, um den Hund nochmal genau zu untersuchen.

Als der Veterinärmediziner jedoch vor der Tür stand, riskierte er nur einen kurzen Blick. Dass der Hund weder fresse noch trinke und nur schlafe, seien Nachwirkungen der Narkose und morgen sähe die Welt ganz anders aus. "Ich hörte leider nicht auf mein Bauchgefühl, sondern dachte, ich sei einfach hysterisch", so Marion S. zu Tierredakteurin Christine Kaltenecker. 

Atemstillstand um 00:15 Uhr

Mitten in der Nacht hörte der Rottweiler dann plötzlich auf zu atmen und verstarb im Wohnzimmer. "Ich weiß nicht, wieso das passieren musste und rief in meiner Verzweiflung natürlich den Tierarzt über mehrere Tage an". Leider blieben die Anrufe jedoch unbeantwortet und Marion S. erreichte den Mediziner vier Wochen nicht. Nachdem die erste Trauer verarbeitet war, wurde die Hundebesitzerin extrem zornig auf den Veterinär und erreichte ihn durch eine List über das Telefon einer Freundin. 

"Dieses Schreiben macht meinen Hund auch nicht wieder lebendig", so die Besitzerin.
"Dieses Schreiben macht meinen Hund auch nicht wieder lebendig", so die Besitzerin.
©privat z.V.g.

"Er kondolierte mir und meinte nur, dass er den Fall natürlich seiner Versicherung gemeldet habe und ich zumindest die Kosten der Kastration zurück bekäme. Aber das macht meinen Hund auch nicht mehr lebendig!" Nach mehreren Anwaltsdrohungen schickte der Tierarzt ein Schreiben mit der Bestätigung, dass ihm ein Fehler unterlaufen sei und die Narkose falsch dosiert wurde. "Heute" fragte bei Mag.med.vet Dagmar Scheiner aus der Kleintierpraxis in Hetzendorf nach:

Es handelte sich bestimmt um KEINE Überdosierung der Narkosemittel, wie in dem Brief 'zugegeben'. Wäre dies der Fall gewesen, wäre der Hund gar nicht mehr aufgewacht.
Mag. med. vet. Dagmar Scheiner
Kleintierpraxis Hetzendorf

Die Tierärztin vermutet eher ein organisches Problem, welches im Vorfeld bei einem zweijährigen Hund nicht durch einen Blutbefund abgeklärt wurde, denn auch innere Blutungen sind auszuschließen, wenn der Rüde nicht an einem sogenannten Kryptorchismus (Hodenhochstand) litt. Sollte eine Naht hier nämlich nicht gehalten haben, würde das Blut zunächst in den leeren Hodensack fließen und dies wäre innerhalb von kurzer Zeit bemerkt worden. 

Marion S. möchte da gar nicht mehr darüber nachdenken, denn alle Mutmaßungen bringen ihr den geliebten "Manfred" nicht zurück. "Er hatte eh schon einen so schweren Start ins Leben, denn immerhin kam er aus dem Tierheim Dechanthof zu uns, die ihn aus einer Kellerröhre befreiten", schluchzt die Besitzerin. "So ein toller Bub war er und jetzt musste er wegen einer lächerlichen Kastration sterben", so Marion S, die gegen den Kremser Tierarzt auch eine Beschwerde auf der Tierärztekammer in Österreich eingereicht hat.

"Nicht ein Kunstfehler ist fahrlässig, sondern die Art und Weise, wie ich im Zuge meiner - offensichtlich berechtigten - Sorgen behandelt wurde. Das wünsche ich wirklich keinem". 

tine
Akt.