Russell fuhr im überlegenen Mercedes den Sieg beim Saisonauftakt ein, setzte sich vor seinem Teamkollegen Andrea Kimi Antonelli durch. Charles Leclerc im Ferrari wurde Dritter. Dabei war das Rennen für Russell zumindest in den ersten Runden ein hartes Stück Arbeit. Wie erwartet zog Leclerc am Briten vorbei, die beiden lieferten sich mehrere Runden lang ein packendes Duell, gefördert durch den Elektro-Motor und das ständige Aufladen während der Runde. Und durch Ferraris kleinen Turbolader. Die Italiener erkannten bei der Konstruktion des Motors, dass ein sogenanntes "Turboloch" drohe, bauten den Turbo deshalb kleiner. Das gibt dem Rennstall nun einen Vorteil.
Allerdings prangerte Russell vor dem zweiten Saisonrennen, dem Grand Prix von China am Sonntag (8 Uhr) auch ein zweites Regel-Problem an – es wird etwas theoretisch. "Es hat da einen Fehler gegeben, der viele Teams beim Ladelimit während der Einführungsrunde getroffen hat", erklärte Russell und sprach von einer "komischen" Regel. Nämlich, dass in Australien Start-Ziel-Linie und die Linie für die Zeitmessung nicht ident sind. Die vorderen Autos im Feld hätten so – formal gesehen – die Linie der Zeitmessung überschritten und damit eine neue Runde gestartet. "Es gibt ein Aufladelimit. Wenn man den Start in der Einführungsrunde macht, verbraucht man die Akkuladung, was sich auf das Ladelimit auswirkt", erklärte Russell.
"Die Fahrer am Ende des Feldes starteten die Einführungsrunde, überquerten die Startlinie und der Zähler wurde zurückgesetzt, da sie sich dann in der nächsten Runde befanden", erklärte Russell. Auch er habe Trainingsstarts zuvor von weiter hinten gemacht und habe ebenso miterlebt, wie die Aufladebegrenzung zurückgesetzt worden war. Im Rennen habe er dann nur "etwa 50 Prozent meiner maximalen Ladekapazität für die Runde" gehabt. "Als ich die Hälfte der Runde gefahren bin, konnte ich die Batterie nicht mehr aufladen", schilderte Russell.
Die FIA sei sich des Problems bewusst, sagte Russell. Doch eine Regeländerung ist vorerst von einem Team verhindert worden, wie der Brite erklärte. Zwar nannte Russell den Namen nicht, dass es sich dabei allerdings um Ferrari handelt, ist augenscheinlich. "Manche, die gute Starts gemacht haben, wollten das nicht. Das ist einfach ein bisschen dumm", meinte Russell.
Für eine Regeländerung ist eine sogenannte "Supermehrheit" nötig, also eine breite Zustimmung der Teams, der Formel und der FIA. "Aber die haben sie nicht. Also kann man sich schon vorstellen, welches Team es ist. Manche haben einfach egoistische Sichtweisen, schauen nur, was für sie das Beste ist. Das ist eben Teil der Formel 1", sagte Russell. Eine kurzfristige Lösung zeichnet sich also nicht ab.