Wegen "Hure" Job verloren

Russisch geflucht – Integrations-Fonds wirft Frau raus

Eine ÖIF-Mitarbeiterin wurde nach einem Video entlassen. Jetzt geht es vor Gericht um die Bedeutung eines russischen Schimpfworts.
Christoph Weichsler
05.04.2026, 21:04
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Ein 26-Sekunden-Video kostet eine Frau den Job – doch was darin wirklich gesagt wurde, ist strittig. Eine Mitarbeiterin des Österreichischen Integrationsfonds (ÖIF) schimpft darin auf Russisch über ihren Arbeitstag. Eine Kundin filmte heimlich mit und stellte das Video ins Netz. Kurz darauf folgte die fristlose Kündigung. Für den Integrations-Fonds war klar: Die Aussagen seien untragbar gewesen.

Ein allgemeiner Fluch?

Doch genau hier beginnt der Streit. Laut Arbeitgeber soll die Frau Begriffe wie "Hure" verwendet haben und damit dem Ruf der Einrichtung geschadet haben. Vor Gericht kam jetzt aber eine andere Einschätzung auf den Tisch: Eine Dolmetscherin erklärte, dass das verwendete russische Wort oft einfach ein allgemeiner Fluch ist – vergleichbar mit "verdammt" oder "Sch**ße" – und nicht zwingend eine Beleidigung.

Zweifel an Kündigung wachsen

Damit steht die Begründung der Kündigung plötzlich auf wackeligen Beinen. Denn im Video ist keine klare Beleidigung gegen eine konkrete Person erkennbar. Die Ex-Chefin der Frau sieht das anders und fühlte sich indirekt angesprochen, weil es um die Diensteinteilung ging. Für sie war die Entscheidung zur Entlassung eindeutig.

Zusätzlich gibt es weitere offene Fragen. Die gekündigte Mitarbeiterin sagt, sie durfte keinen Betriebsrat hinzuziehen. Ein Kollege beschreibt die Szene als privates Gespräch und berichtet, später selbst unter Druck geraten zu sein. Er unterschrieb schließlich ein Protokoll im Sinne des Integrations-Fonds – aus Angst um seinen Job. Wie der Fall ausgeht, ist noch offen. Im August soll die Frau aussagen, die das Video aufgenommen hat – dann wird sich zeigen, ob ein russisches Schimpfwort wirklich für eine Kündigung reicht.

{title && {title} } CW, {title && {title} } 05.04.2026, 21:04
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