Die russische Zentralbank versucht, die schwächelnde Wirtschaft des Landes mit einer Senkung der Leitzinsen von 15,5 auf 15 Prozent zu stützen. "Aktuelle Daten und Konjunkturumfragen deuten auf ein verlangsamtes Wirtschaftswachstum zu Beginn des Jahres 2026 hin", gab die Notenbank am Freitag bekannt. "Die Verbrauchernachfrage hat sich nach ihrem starken Anstieg Ende 2025 abgekühlt."
Bereits im Februar hatte die Zentralbank den Leitzins um einen halben Prozentpunkt gesenkt. Davor hielt sie ihn wegen der hohen Teuerung zwei Jahre lang bei fast 20 Prozent. Im vergangenen Jahr lag die Inflation noch bei 5,6 Prozent, nach 9,5 Prozent im Jahr 2024.
Die Zentralbank geht nun davon aus, dass die Teuerung bis zum Jahresende weiter zurückgeht. Gleichzeitig warnte sie aber: "Die Unsicherheit hinsichtlich des externen Umfelds erheblich zugenommen hat."
Die russische Wirtschaft hat vor allem durch die enormen Militärausgaben im Zusammenhang mit dem Angriff auf die Ukraine profitiert. Die hohen Zinsen haben aber viele Betriebe belastet, besonders jene, die nichts mit der Rüstungsindustrie zu tun haben. Mittlerweile ist die Wirtschaft deutlich abgekühlt. 2025 lag das Wachstum nur noch bei rund einem Prozent, nach 4,3 Prozent im Jahr 2024.
Die Militärausgaben treiben außerdem das Budgetdefizit massiv in die Höhe. Präsident Wladimir Putin hat deshalb eine Erhöhung der Mehrwertsteuer von 20 auf 22 Prozent ab 2026 genehmigt. Das wird die Preise für dich und alle anderen weiter steigen lassen. Trotzdem hält die Zentralbank am Ziel einer Inflationsrate von vier Prozent fest.
Im vergangenen Jahr sind die russischen Militärausgaben laut Schätzung des Stockholmer Internationalen Friedensforschungsinstituts (SIPRI) um rund drei Prozent gestiegen. Das entspricht etwa sieben Prozent der gesamten Wirtschaftsleistung. Gleichzeitig sind die Einnahmen aus Öl- und Gasexporten durch internationale Sanktionen, sinkende Preise und ukrainische Angriffe auf Energieanlagen auf den niedrigsten Stand seit 2020 gefallen.
Derzeit profitiert Russland allerdings vom Anstieg der Ölpreise seit dem Beginn des Iran-Kriegs. Außerdem haben die USA wegen der hohen Preise die Sanktionen gegen russisches Öl etwas gelockert.