Mit seiner Kultfigur "Borat" brachte Sacha Baron Cohen (55) Millionen Menschen zum Lachen. Doch in Kasachstan sorgte der Film über einen vermeintlichen Fernsehreporter aus dem zentralasiatischen Land für heftige Kritik. Jetzt, 20 Jahre nach dem Kinostart, entschuldigt sich der britische Komiker erstmals öffentlich bei den Menschen in Kasachstan.
Und dabei verrät er ein erstaunliches Detail: Eigentlich hätte Borat ursprünglich gar nicht aus Kasachstan kommen sollen.
In der aktuellen Ausgabe des Podcasts "Happy Sad Confused" spricht Cohen offen über die Entstehung seiner berühmtesten Filmfigur: "Ich möchte mich zum allerersten Mal beim Volk von Kasachstan entschuldigen, denn Borat hat überhaupt nichts mit Kasachstan zu tun", erklärt der Schauspieler.
Der Komiker betont, dass seine Figur weder die Menschen noch die Kultur des Landes widerspiegeln sollte. "Ich wollte niemandem schaden. Ich respektiere euer Volk und eure Kultur. Bitte nehmt es nicht persönlich", richtet er seinen Appell an die Kasachen.
Damit schlägt Cohen erstmals ausdrücklich versöhnliche Töne gegenüber einem Land an, das durch seine Filme weltweit mit der Kunstfigur in Verbindung gebracht wurde.
Wie Cohen nun enthüllt, wechselte seine Figur während der Entwicklung mehrmals die Nationalität. Als er Borat ursprünglich für die BBC entwarf, sollte der fiktive Reporter aus Albanien stammen. Später experimentierte der Komiker mit einer Herkunft aus Moldau.
Der Grund dafür war weniger eine künstlerische Entscheidung als die Zusammenarbeit mit unterschiedlichen Fernsehsendern. Je nachdem, welcher Sender die Figur verwendete, änderte Cohen deren Hintergrund.
Als schließlich eine weitere Version für HBO entstand, brauchte er erneut ein anderes Herkunftsland. Seine Auswahl traf er nach eigener Darstellung beinahe willkürlich. Er habe auf eine Landkarte gezeigt und sich gefragt, welches Land wohl kaum jemand kenne. Seine Antwort: Kasachstan.
Schon als Cohen erstmals als Borat auftrat, sorgte die Darstellung für Ärger. Die kasachische Botschaft wandte sich mit einer Beschwerde an den Komiker. Heute räumt Cohen ein, dass diese Kritik durchaus berechtigt gewesen sei.
Er selbst könne nicht einmal einen authentischen kasachischen Akzent nachahmen. Auch äußerlich habe seine Figur nichts mit den Menschen des Landes gemeinsam.
Die Kritik nahm mit dem Kinofilm aus dem Jahr 2006 deutlich zu. Darin reist Borat Sagdiyev als angeblicher Journalist aus Kasachstan durch die USA und fällt mit rassistischen, sexistischen und absurden Aussagen auf. Der Film entwickelte sich zu einem internationalen Kinoerfolg. 2020 folgte mit "Borat Anschluss Moviefilm" eine Fortsetzung.
Besonders die Darstellung Kasachstans stieß immer wieder auf Ablehnung. Nach Erscheinen der Fortsetzung protestierte unter anderem eine Gruppe kasachischstämmiger Amerikaner gegen den Film. In einem offenen Brief warf sie dem Komiker vor, dem internationalen Ansehen des Landes schweren Schaden zugefügt zu haben.
Cohen verteidigte seine Satire lange mit dem Argument, dass nicht Kasachstan selbst das eigentliche Ziel seiner Witze sei. Vielmehr habe er zeigen wollen, wie leicht Menschen absurde Behauptungen über ein Land glauben, von dem sie kaum etwas wissen. Diese Erklärung wiederholte er nun auch in seinem aktuellen Gespräch.
Ganz ohne Scherz kam der Komiker allerdings auch bei seiner Entschuldigung nicht aus. Mit Blick auf das Publikum der Podcast-Aufzeichnung im New Yorker Kulturzentrum 92nd Street Y witzelte er, möglicherweise seien Menschen aus Kasachstan mit einer besonderen Mission gegen ihn anwesend. Falls das der Fall sei, sollten sie diese Mission bitte abbrechen.
Trotz des humorvollen Untertons macht Cohen deutlich, dass er die Kritik inzwischen ernst nimmt. Zwei Jahrzehnte nach dem ersten "Borat"-Film stellt der Komiker damit klar: Seine weltberühmte Figur war nie als authentisches Abbild Kasachstans gedacht.