Ex-Präsident im Gefängnis

Zelle ist 9 Quadratmeter groß – Sarkozy tritt Haft an

Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy tritt eine Haftstrafe an – ein Novum in der Geschichte der Europäischen Union.
Newsdesk Heute
20.10.2025, 17:16
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Die Zelle, in der Frankreichs Ex-Präsident Nicolas Sarkozy seine Strafe absitzen soll, ist rund neun Quadratmeter groß. Tisch und Bett sind am Boden festgeschraubt, und das Klo hat keinen Deckel. Am Dienstag soll Sarkozy in der Pariser Justizanstalt "Santé" eintreffen. Ein Gericht hat ihn zu fünf Jahren Haft verurteilt, weil die Richter überzeugt sind, dass Sarkozy über Mittelsmänner versucht hat, libysche Gelder für seinen Wahlkampf 2007 zu bekommen.

Weil er Ex-Präsident ist, wird Sarkozy in eine Einzelzelle kommen. Das bleibt in der "Santé" nur wenigen vorbehalten. Die Haftanstalt ist mit 192 Prozent massiv überbelegt, meistens stehen in den engen Zellen sogar Stockbetten.

Sarkozy ist der erste französische Ex-Präsident seit dem Krieg und überhaupt der erste Ex-Staatschef eines EU-Landes, der ins Gefängnis muss. Trotzdem ist er nicht der erste berühmte Häftling in der "Santé". Schon vor ihm saßen dort der berüchtigte Serienverbrecher Jacques Mesrine und Maurice Papon, der für die Deportation französischer Juden verantwortlich war, ihre Strafen ab.

Auch der jüdische Offizier Alfred Dreyfus, der zu Unrecht wegen Landesverrats verurteilt wurde, war zeitweise dort eingesperrt. Auf Dreyfus hat sich Sarkozy vor kurzem noch berufen, als er bei einem Abschiedstrunk für seine früheren Mitarbeiter seine Unschuld beteuerte.

In der "Santé" gab es immer wieder spektakuläre Ausbrüche – zum Beispiel von Mesrine, der sich als Aufseher verkleidete. Ein anderer Häftling flüchtete 1986 mit Hilfe seiner Frau, die ihn per Hubschrauber abholte. Seitdem ist ein Sicherheitsnetz über dem Hof gespannt.

Sarkozy wird keinen Kontakt zu anderen Häftlingen haben. Damit will man verhindern, dass Fotos von ihm aus dem Gefängnis an die Öffentlichkeit gelangen, heißt es aus Justizkreisen. Er bekommt aber regelmäßig Hofgang, darf Besuch empfangen und telefonieren.

Trotz seiner Verurteilung gilt Sarkozy weiter als graue Eminenz der Rechtskonservativen. Der französische Justizminister Gerald Darmanin, ein früherer Parteikollege, hat ihm schon einen Besuch im Gefängnis zugesagt, um sich davon zu überzeugen, dass die Sicherheit des Ex-Präsidenten gewährleistet ist.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat Sarkozy wenige Tage vor dessen Haftantritt empfangen. Das Präsidialamt bestätigte das Treffen, nannte aber keine Einzelheiten dazu.

Weil Sarkozy bereits über 70 Jahre alt ist, kann er sofort eine Erleichterung beantragen – zum Beispiel eine elektronische Fußfessel. Bis entschieden wird, kann das allerdings bis zu zwei Monate dauern.

Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung

Im September wurde Sarkozy wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Die Richter sind überzeugt, dass er seine Vertrauten nach Libyen geschickt hat, um Geld für den Wahlkampf zu organisieren – und sich nach dem Wahlsieg erkenntlich zu zeigen. In der Urteilsbegründung heißt es, Sarkozy habe die Absicht gehabt, "Korruption auf höchstem Niveau vorzubereiten".

Laut Richtern ist damals tatsächlich Geld aus Libyen geflossen. Es konnte aber nicht bewiesen werden, dass es auch wirklich für den Wahlkampf verwendet wurde.

Sarkozy beteuert Unschuld

Sarkozy beteuert weiter seine Unschuld und hat Berufung eingelegt. Wegen der "Schwere der Taten" entschieden die Richter aber, dass die Haftstrafe nicht bis zum Ende des Berufungsverfahrens ausgesetzt wird. Sie gaben ihm nur etwas Zeit, um seine Angelegenheiten vor Haftantritt zu regeln.

Schon im Dezember 2024 wurde Sarkozy rechtskräftig zu einem Jahr Haft mit elektronischer Fußfessel verurteilt – wegen versuchter Richterbestechung. Wegen seines Alters musste er die Fußfessel aber nur drei Monate lang tragen. In einem weiteren Verfahren zur Abrechnung seines Wahlkampfs 2012 steht am 26. November das Urteil des höchsten Berufungsgerichts an. Hier droht ihm erneut eine einjährige Haftstrafe, die dann endgültig rechtskräftig wäre.

Sarkozys Sohn Louis, der politisch noch weiter rechts steht als sein Vater, hat für Dienstag zu Solidaritätskundgebungen vor Sarkozys Pariser Wohnsitz aufgerufen. Louis Sarkozy ist inzwischen selbst politisch aktiv und will Bürgermeister der südfranzösischen Stadt Menton werden. So schnell wird der Name Sarkozy wohl nicht aus der französischen Politik verschwinden.

{title && {title} } red, {title && {title} } Akt. 20.10.2025, 18:08, 20.10.2025, 17:16
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