Franz Jonas (SPÖ) war Bundespräsident und Peter Alexander regierte mit "Hier ist ein Mensch" die heimischen Charts. Vor etwas mehr als 55 Jahren, am 15. Jänner 1971, nur wenige Monate vor der Premiere des ersten "Tatort", lief mit "Schulmädchen-Report: Was Eltern nicht für möglich halten" ein Film in den österreichischen Kinos an, der schnell für Aufsehen sorgte. Die Produktion basierte auf einem Aufklärungsbuch von Günther Hunold und wurde offiziell als Dokumentation verkauft.
In den folgenden Monaten entwickelte sich der Streifen zu einem überraschenden und gleichzeitig umstrittenen Kassenerfolg. Millionen Zuschauer strömten in die Kinos, und der Film markierte den Beginn einer ganzen Reihe, in denen hauptsächlich Laiendarsteller agierten.
Bis 1980 entstanden insgesamt 13 "Schulmädchen-Report"-Filme – acht davon unter der Regie des Wieners Ernst Hofbauer –, die laut Schätzungen weltweit rund 100 Millionen Kinobesucher erreichten.
Die Reihe setzte auf eine Mischung aus angeblicher Aufklärung und provokanten Episoden aus dem Schulalltag. Im ersten Teil sorgt etwa die Geschichte der Schülerin Renate für Aufregung, die bei einem Ausflug mit einem Busfahrer intim geworden sein soll. Eine Lehrerkonferenz entscheidet anschließend über mögliche Konsequenzen für die Schülerin.
Auch andere Episoden griffen bewusst tabuisierte Themen auf – etwa die Beichte einer 16-Jährigen, die einem Pfarrer von ihren sexuellen Erfahrungen mit einem verheirateten Mann berichtet. Genau diese Mischung aus Moral, Voyeurismus und Skandal machte den Erfolg der Reihe aus, sorgte aber auch früh für Kritik.
Die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien (BPjM) setzte nahezu alle Teile der Reihe auf den Index. Besonders kritisiert wurde die wiederkehrende Verknüpfung von Sexualität und Gewalt sowie die problematische Darstellung junger Frauen.
Für besondere Aufmerksamkeit sorgte auch der frühe Auftritt späterer Stars. So war Jutta Speidel, zuletzt erfolgreich mit der ORF-Miniserie "Tage, die es nicht gab" (2022-2025), im ersten Teil zu sehen – damals gerade einmal 16 Jahre alt. In einer Szene zeigt sie sich beim Umziehen im Gebüsch, nur mit einem Slip bekleidet. Heute wäre eine solche Darstellung in dieser Form nicht mehr denkbar.
Rückblickend äußerte sich Speidel dennoch gelassen über ihre Mitwirkung. "Ich bin aus heutiger Sicht sehr froh, wie experimentierfreudig wir arbeiten durften. Nichts davon hat mir geschadet", sagt sie der "Bild" und betont, dass sie die Arbeit als prägend empfunden habe: "Es hat meinen Kopf frei gemacht, meinen Horizont erweitert"
Gleichzeitig erinnerte sie sich an ihre damaligen Gedanken: "Hoffentlich kriegt meine Mutter nicht heraus, in was für einem Episodenfilm ich da mitgespielt habe."
Trotz der Kontroversen blieb die Reihe mit zahlreichen bekannten Namen besetzt, darunter etwa Friedrich von Thun ("Der Bulle von Tölz"), Sascha Hehn ("Traumschiff"), Lisa Fitz ("Die Gerichtsmedizinerin") oder Heiner Lauterbach, aktuell in der Kinokomödie "Ein fast perfekter Antrag" zu sehen. Letzterer verteidigte seine Beteiligung später damit, es habe sich schlicht um berufliche Engagements gehandelt: "Ich habe Porno-Filme synchronisiert, ich habe 'Schulmädchen Report' gespielt – das sind Jobs. Wir müssen alle unser Geld verdienen. Ich finde es idiotisch, zu sagen: Das ist unter meinem Niveau."
Auch Jahrzehnte später bleibt die "Schulmädchen-Report"-Reihe ein umstrittenes Kapitel der deutschen Kinogeschichte – zwischen Massenphänomen, Skandal und Zeitdokument.