Scharfe Kritik schlägt Bildungsminister Christoph Wiederkehr (Neos) seitens der VPNÖ entgegen: "Ein Bundesminister ist nicht dazu da, um Wien-Probleme auf ganz Österreich umzuwälzen", so VPNÖ-Landesgeschäftsführer Matthias Zauner bei einer Pressekonferenz am Montag.
Als Beispiel führt er den Chancenbonus an, mit dem 400 Schulen österreichweit zusätzliche Ressourcen erhalten: "227 davon, das entspricht deutlich mehr als 50 Prozent, sind aber in Wien, während nur 27 nö. Schulen profitieren. Eine faire Verteilung sieht anders aus!"
Der Minister sei für "ganz Österreich verantwortlich, nicht nur für Wien", so VPNÖ-Bildungssprecher René Lobner. Er pocht im Bereich der Sonderschulen auf die Wiedereinführung eines eigenen Lehrgangs für Sonderpädagogik, auch "um ausreichend qualifiziertes Personal für Niederösterreich sicherzustellen.
Mit Blick auf den Vorstoß Wiederkehrs nach einer Kürzung von Latein für einen verstärkten Unterricht zum Thema künstliche Intelligenz betonte Lobner: "Wir sollten KI nicht gegen Latein ausspielen. Denn wer Latein streicht, schwächt das Verständnis für unsere sprachlichen und kulturellen Wurzeln. Vielmehr braucht es eine verstärkte Behandlung von digitalen Kompetenzen wie künstliche Intelligenz oder Medienbildung als Querschnittsmaterie in allen Fächern. Das gilt auch für die Finanzbildung, die kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit ist."
Dort, wo es geht, gehe NÖ seinen eigenen Weg: "Mit der Betreuungsoffensive unter Federführung von Familienlandesrätin Christiane Teschl-Hofmeister sind wir in Niederösterreich Vorreiter in der Kinderbetreuung. Gleichzeitig legen wir mit 15 Hochschul- und Forschungsstandorten den Grundstein, einen Nobelpreis nach Niederösterreich zu holen. Und während andere religiöse Symbole aus den Klassenzimmern verbannen wollen, bekennen wir uns klar zum Kreuz als Symbol unserer Wertehaltung", so Zauner. Für die VPNÖ sei jedenfalls klar: "Bildung ist kein Spielfeld für Experimente". Und man lasse sich "Ungerechtigkeiten aus Wien auch im Bildungsbereich nicht gefallen".
Das Reformtempo sei der VPNÖ offenbar zu hoch, so die nö. Neos-Chefin Indra Collini: "Die Mittel müssen dort investiert werden, wo die Herausforderungen am größten sind."
"Wenn Reformen schneller kommen als der nächste Spatenstich, bekommt die ÖVP in Niederösterreich offenbar Schnappatmung. Der Hang zum Drama innerhalb der Volkspartei und der schwarzen Lehrergewerkschaft nimmt mittlerweile fast kindische Ausmaße an", reagiert Indra Collini, sie ist auch Bildungssprecherin der Neos, auf die Angriffe.
Die beste Bildung dürfe nicht davon abhängen, welchen Bildungshintergrund oder wie viel Geld die Eltern haben: "Es geht auch nicht darum, Geld in der Gießkanne über alle Bundesländer zu verteilen." Abschließend betonte Collini: "ÖVP und Lehrergewerkschaft sollten nicht permanent reflexartig alles schlechtreden und gegen den Minister wettern, sondern konstruktiv an Lösungen mitarbeiten."