"Liegen gelassen habe ich es im ersten Durchgang unten", sagte eine schwer geknickte Julia Scheib nach Platz fünf im Riesenslalom von Cortina d'Ampezzo. Die Steirerin schrammte in ihrer Paradedisziplin um sieben Hundertstel an einer Medaille vorbei. Das klare Ziel der Weltcupführenden war Gold – die Teilzeiten zeigen, dass sie auf dem Weg dazu war.
Sowohl in Durchgang eins als auch in der Entscheidung war die 27-Jährige bis zum Schlusshang voll auf Medaillenkurs. Die völlig verpatzte Einfahrt in den finalen Sektor wurde zum Spielverderber. Scheib fuhr diese Kuppe in Lauf eins viel zu weit an, sprang in Richtung Außentor. Alleine dieser Sektor kostete 0,72 Sekunden auf die spätere Olympiasiegerin Federica Brignone. Scheibs Gesamtrückstand? 0,69 Sekunden…
Besonders bitter ist die Entstehungsgeschichte dieses Fehlers. Sie begann nämlich nicht erst bei der Anfahrt des Sprungs, sondern schon Minuten vorher am Funk. Die ÖSV-Trainer hatten Scheib vor der Passage gewarnt. Die Läuferin zeigte sich im Ziel sauer über den Funkspruch, wollte aber keine öffentliche Kritik an ihren Coaches üben. "Vorher ist viel super gut gelaufen. Ich will nichts auf andere schieben. Wir gewinnen zusammen als Team und verlieren als Team. Aber es sind dort sieben Zehntel liegengeblieben", sagte sie im TV. Vor dem "Heute"-Mikro fügte sie an: "Fehler passieren. Bisher war die Zusammenarbeit immer gut."
Doch was war am Funk passiert und warum? Dazu bezog Damen-Chefcoach Roland Assinger vor Entscheidung im ORF Stellung: "Unten beim letzten Übergang waren wir zu konservativ. Nicht nur von ihr, auch von uns Trainern, von mir. Da waren wir zu konservativ und darum haben wir ein Linienproblem gehabt und eine halbe Sekunde liegen gelassen. Es ist wie es ist."
Auf Nachfrage wiederholte der Bruder von Millionenshow-Quizmaster und Ex-Rennfahrer Armin Assinger: "Unten waren wir zu konservativ. Man muss davon ausgehen, dass sie mehr km/h hat als die anderen, dann geht der Sprung brutal weit, dann schaut es auch deppert aus. Jetzt gehen wir es offensiver an. Wenn sie das zeigt, was sie kann, ist noch einiges möglich."
Österreichs Medaillen-Helden
🥈Sabine Payer – Snowboard-RTL (Tag 2)
🥇Benjamin Karl – Snowboard-RTL (Tag 2)
🥈Jonas Müller – Rodel-Einsitzer (Tag 2)
🥈Manuel Feller / Vincent Kriechmayr – Ski-Kombi (Tag 3)
🥇Ariane Rädler / Katharina Huber – Ski-Kombi (Tag 4)
🥈Johannes Lamparter – Nordische Kombi, 10km (Tag 5)
🥉Selina Egle / Lara Kipp – Rodel-Doppelsitzer (Tag 5)
🥈Thomas Steu / Wolfgang Kindl – Rodel-Doppelsitzer (Tag 5)
🥉Cornelia Hütter – Super-G (Tag 6)
🥇Alessandro Hämmerle / Snowboard-Cross (Tag 6)
🥉Jakob Dusek – Snowboard-Cross (Tag 6)
🥈Lisa Schulte, Thomas Steu/Wolfgang Kindl, Jonas Müller, Selina Egle/Lara Kipp – Rodel-Teamstaffel (Tag 6)
🥇Janine Flock – Skeleton (Tag 8)
Scheib fuhr im zweiten Lauf die fünftbeste Zeit, damit schneller als sämtliche Medaillengewinnerinnen.