Nur sieben Hundertstel fehlten ÖSV-Star Julia Scheib auf eine Olympia-Medaille im Riesenslalom von Cortina d'Ampezzo. Sogar Gold war in ihrer Paradedisziplin greifbar, am Ende blieb Rang fünf – und große Enttäuschung.
Federica Brignone hingegen feierte nach ihrem Verletzungs-Comeback und Olympia-Gold im Super-G auch im Riesentorlauf einen Triumph, setzte sich 0,62 Sekunden vor Sara Hector und Thea Louise Stjernesund durch. Dahinter entschieden Hundertstel – und trafen Scheib besonders hart.
"Ich bin am Boden zerstört. Das ist jetzt schon einmal eine Sache, die man verarbeiten muss", sagte die 27-Jährige im Ziel. Als Führende im Weltcup im Riesentorlauf wusste sie, dass sich hier eine besondere Chance bot. "Natürlich tut es weh, denn ich weiß ja nicht, wie lange ich mich mental und körperlich auf so einem hohen Level halten kann."
In beiden Durchgängen war Scheib bis in den unteren Abschnitt voll auf Medaillenkurs. "Im zweiten Lauf, aber auch im ersten Lauf, will ich mir oben gar nicht viel vorwerfen, weil ich bin genauso ins Rennen gegangen, wie man das machen muss", erklärte sie. Für sie war auch die sehr geradlinige Kurssetzung entscheidend für das Scheitern. "Der untere Teil glich fast einem Super-G, es gab kaum noch Kurven. Da war wenig drin, wo ich meine Klasse hätte ausspielen können. Das soll jedoch keine Ausrede sein, ich hätte es einfach besser machen müssen."
Für zusätzliche Diskussionen sorgte die Funk-Thematik aus dem ersten Lauf. Die Trainer hatten sie vor dem letzten Übergang gewarnt. In der Folge geriet die Linie zu vorsichtig, sodass wertvolle Zehntel liegen blieben, die schlussendlich auf die Medaille fehlten. Nach dem Rennen stellte Scheib am "Heute"-Mikro klar: "Fehler passieren. Bisher war die Zusammenarbeit immer gut." Und weiter: "Wir gewinnen zusammen als Team und verlieren als Team."
Dass sie im zweiten Durchgang eine der schnellsten Zeiten des gesamten Feldes setzte, unterstreicht, wie konkurrenzfähig sie an diesem Tag war. Umso größer ist der Schmerz über die verpasste Medaille.