Schiedsrichter: "Für mich war kein Strafstoß erkennb...

Das Frühjahrsauftaktspiel der tipico-Bundesliga zwischen dem SK Rapid und der SV Ried lieferte die wohl kurioseste Halbzeit der Saison. Selbst Schiedsrichter Dominik Ouschan, der zwei Ried-Spieler ausschloss und drei Elfmeter für Rapid gab, äußerte im Nachhinein Zweifel an seinen Entscheidungen, die den Wienern einen 3:0-Sieg bescherten. Wir haben uns nach dem Match im Happel-Stadion umgehört.

Das Frühjahrsauftaktspiel der zwischen dem SK Rapid und der SV Ried lieferte die wohl kurioseste Halbzeit der Saison. Selbst Schiedsrichter Dominik Ouschan, der zwei Ried-Spieler ausschloss und drei Elfmeter für Rapid gab, äußerte im Nachhinein Zweifel an seinen Entscheidungen, die den Wienern einen 3:0-Sieg bescherten. Wir haben uns nach dem Match im Happel-Stadion umgehört.

Gezeichnet von einer Hochschaubahn der Gefühle stapfte Ried-Manager Stefan Reiter in der Mixed Zone auf und ab, ehe er vor die Journalisten trat. "Ich will mir die Reise zu Rapid erst wieder antun, wenn das neue Stadion steht", sagte Reiterer nach der Auftaktpleite ein wenig zynisch. Auch im 36. Versuch bei Rapid zu gewinnen scheiterten die Innviertler.

Allerdings war diese Niederlage an Kuriositäten nicht zu überbieten. Rapid gewann dank drei Elfertoren (zweimal Alar, einmal Beric) in der ersten Halbzeit (16., 39., 45.+1) und profitierte von zwei Ausschlüssen (Tormann Thomas Gebauer und Verteidiger Gernot Trauner).

"Das ist mit Sicherheit eine Premiere für mich", musste auch Schiedsrichter Ouschan nach der umstrittenen Partie gestehen. Von insgesamt vier Elfmeterszenen war nur eine einzige glasklar - jene kurz vor dem Halbzeitpfiff als Beric von Petar Filipovic im Strafraum offensichtlich gefoult wurde. Der Gefoulte trat selbst an und traf zum 3:0. Da war Ried allerdings bereits geschlagen, weil die zwei Elfmeter davor zwei Ausschlüsse zur Folge hatten.

Elfmeter Nummer 1: Beric lief alleine auf das Tor von Gebauer zu, schlug einen Haken nach links und fiel. Ein Pfiff ertönte, Ouschan hatte die gelbe Karte in der Hand und ging auf den Rapid-Stürmer zu. "Für mich war aus dem ersten Eindruck kein Strafstoß erkennbar, sondern eine Simulation", erklärte der Schiedsrichter, der dem Slowenen wegen einer Schwalbe Gelb zeigen wollte.

Doch dann sah Ouschan plötzlich zu Assistent Markus Gutschi rüber, steckte die gelbe Karte wieder ein und zückte Rot für Gebauer. "Ich habe dann aber kurz mit meinem Assistenten Rücksprache gehalten, der mir hundertprozentig versichert hat, dass eine Berührung vorlag", bestätigte der Unparteiische die Vermutungen der Zuseher und Reporter.

"Der Kontakt war auf jeden Fall da", behauptet Beric für den es ein "klarer Elfer" war und zeigte den Journalisten, von denen sich niemand trotz Zeitlupen aus verschiedenen Kameraeinstellungen sicher war, seine blutende Wunde oberhalb des Knöchels.

Die Spuren auf dem Bein von Robert Beric nach dem Foul zum ersten Elfmeter! Leicht berührt?
— SK Rapid Wien (@skrapid)
 


Auch Gebauer gab zu:"Beim ersten Elfer war ein leichter Kontakt da." Der Ried-Goalie fügte aber hinzu: "Der Schiedsrichter hatte schon Gelb wegen einer Schwalbe in der Hand und ist vom Assistenten 'overruled' worden. Doch der Schiedsrichter hatte die viel bessere Sicht. Der Assistent konnte das nie im Leben sehen." Alar verwertete den folgenden Elfer eiskalt zum 1:0. Ried konnte in der folgenden Phase trotz Unterzahl mit Rapid mithalten - bis zur 39. Minute.

Elfmeter Nummer 2: "Für den zweiten Elfmeter braucht man eine gute Phantasie", behauptete Ried-Manager Reiter. Schrammel schickte eine Flanke von links in den Strafraum, Petsos rasierte den Ball mit dem Kopf, Beric versuchte den Ball ins Tor zu spitzeln, rutschte aber vorbei. Eigentlich hätte hier bereits der Pfiff ertönen müssen, weil der Rapid-Stürmer im Abseits war, was Schiedsrichterassistent Gutschi übersehen hatte.

Doch es ging weiter - Florian Kainz beförderte den Ball von rechts abermals in den Strafraum. Dort lauerte Beric, schoss und traf Trauner, der Ried-Verteidiger versuchte auf der Linie zu klären, allerdings mit der Hand. Jetzt ertönte der Pfiff, Ouschan zückte Rot und auch für Trauner war die Partie beendet. Der Schiedsrichter, der hier von seinem Assistenten im Stich gelassen wurde, konnte hier nur die Handspielszene bewerten. "Für mich liegt hier keine natürliche Handhaltung vor, wenn der Spieler versucht den Ball hinter dem Rücken mit der Hand zu spielen", verteidigte Ouschan die Entscheidung.

Da über die Richtigkeit des dritten Elfmetertores bereits zu lesen war, weiter zur vierten Elfmeterszene. Kurz vor der Rapid-Viertelstunde wurde Stefan Schwab an der linken Seite des Strafraums gefoult. Ouschan entschied auf Freistoß, weil sich das Foul seiner Meinung außerhalb des Strafraum geschah. Schwab lief allerdings genau die Strafraumlinie entlang. Bei genauer Regelauslegung zählt die Bodenmarkierung zum Strafraum dazu. Es hätte durchaus einen vierten Elfer und Treffer geben können.

Auffällig war, dass Rapid trotz zwei Spielern mehr am Platz in der zweiten Halbzeit kein Tor aus dem Spiel zusammenbrachte. "Ried hat sehr gut verteidigt", erklärte Zoran Barisic, wieso sein Team im zweiten Durchgang nur vier gute Torchancen vorfand. Der Rapid-Trainer war mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden, nur die Effizienz fehlte dem Rapid-Coach.

"Leider haben wir es dann verabsäumt, mehr Tore zu erzielen und aus der Vielzahl an Möglichkeiten Kapital zu schlagen. Wir sind oft zum Abschluss gekommen und hatten hundertprozentige Chancen, es hat aber die nötige Konsequenz gefehlt", meinte der Wiener, der auch auf die zahlreichen Aluminiumtreffer hinwies. "Von einer schlechten Leistung zu sprechen wäre meiner Mannschaft gegenüber unfair."

Oliver Glasner wirkte bei der Pressekonferenz trotz der Niederlage nach außen hin cool. "Das Spiel war kurios. So etwas habe ich noch nicht erlebt. Ich möchte aber gar nicht viel über das Spiel reden, sondern die Moral meiner Mannschaft loben", erklärte der Ried-Trainer.

"Wir haben in der Halbzeit gewusst, dass die Chance auf ein 4:3 von uns eher gering ist, deshalb haben wir uns vorgenommen kein Gegentor zu bekommen. Das hat auch geklappt. Wir haben sehr aufopferungsvoll gekämpft. Deswegen blicke ich sehr positiv ins Frühjahr", so Glasner.

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