Schlepper flüchtet vor Polizei auf Badner Bahn-Gleis

Schlepper Mödling
Schlepper MödlingLPD NÖ
Das Schlepperwesen im Osten Österreichs boomt, im Bezirk Mödling wurden letzte Woche drei syrische Schlepper spektakulär aus dem Verkehr gezogen.

In den letzten Wochen wurde im Osten Österreichs -  besonders im Bezirk Mödling - ein Anstieg von unberechtigt aufhältigen Fremden verzeichnet - mehr dazu hier und hier und hier. Bedienstete des Landeskriminalamtes Niederösterreich, Ermittlungsbereich Menschenhandel, erarbeiteten im gemeinsamen Zusammenwirken mit dem Bezirkspolizeikommando Mödling koordinierende Maßnahmen, um Schleppertätigkeiten und die kriminellen Organisationen zu zerschlagen.

Letzten Montag nahm die Polizei gegen 21.45 Uhr einen verdächtigen Van (VW) auf der B17 wahr. Der Lenker entzog sich der Anhaltung, ignorierte rote Ampeln, die Polizei fuhr mit Blaulicht hinterher. Mit Mördertempo flüchtete der Lenker Richtung Süden, beging dabei zahlreiche Verwaltungsübertretungen, geriet ins Schleudern und landete auf den Geleisen der Badener Lokalbahn.

Sieben Syrer im Fond des Vans

Im Fond des schwer beschädigten Wagens waren drei Frauen und vier Männer aus Syrien (16 bis 54), alle suchten sofort um Asyl an. Die Flüchtlinge und Polizisten blieben bei der Hatz unverletzt. Die Schlepper waren ebenfalls Syrer, Lenker (21) und Beifahrer (23). Die beiden Syrer leben in St. Pölten und verrieten der Polizei noch einen dritten Mittäter, einen ebenfalls in St. Pölten lebenden Syrer (35). 

Die Ermittler des Landeskriminalamtes Niederösterreich wiesen den drei Beschuldigten zumindest 30 Schlepperfahrten ab der ungarisch/österreichischen Grenze nach, wobei insgesamt mindestens 200 Personen in Wien 16. und Mödling abgesetzt wurden. Pro geschleppte Person lukrierten die Beschuldigten einen Bargeldbetrag in der Höhe von 150 Euro. Daraus ergibt sich eine Schlepperlohn von mindestens 30.000 Euro.

Hausdurchsuchungen in St. Pölten

Bei den von der Staatsanwaltschaft angeordneten Hausdurchsuchungen im Stadtgebiet von St. Pölten, stellten die Ermittler zahlreiche Beweisgegenstände (div. Datenträger, Schlepperfahrzeuge, verbotene Waffen und Kennzeichen) sowie Bargeld in der Höhe von mehr als 4.000 Euro sicher.

Alle drei Beschuldigten, Asylberechtigte aus Syrien, wurden in die Justizanstalt Wiener Neustadt eingeliefert. Die Ermittlungen der Polizei gehen indes weiter. Ein Verfahren zur Aberkennung dieser Asylberechtigung wurde bereits eingeleitet.

Nehammer sagt Kampf an

"Unsere Spezialeinheiten führen den Kampf gegen die organisierte Kriminalität und Schlepperei mit aller Konsequenz und Härte. Ich bin froh, dass durch die gewissenhafte Arbeit der Ermittler des Landeskriminalamtes Niederösterreich erneut ein Schlepperring zerschlagen werden konnte. Die Schlepper haben ihre perfide Methodik vor allem während der Corona-Pandemie immer weiterentwickelt und nutzen das Leid der Menschen aus, um Geschäfte zu machen. Dagegen gehen die Polizistinnen und Polizisten bei groß angelegten Schwerpunktaktionen aber natürlich auch im regulären Dienstbetrieb mit vollem Einsatz vor", so Minister Karl Nehammer (VP).

Hier noch ein paar Zahlen zu Schleppern und Flüchtlingen: Im Jahr 2020 gab es weniger positive Asylverfahren als in den Jahren davor. Unter den asylantragsstärksten Nationen sind Marokko und Algerien – diese kommen unmittelbar ins Schnellverfahren.

Zahlen und Abschiebungen

Die aktuelle Schlepperlage: Hoher Migrationsdruck aus der Türkei, rund 100.000 Flüchtlinge sind in Griechenland und Balkan gestrandet, Schlepper machen auch mit Covid ein Geschäft (z.b. Covid sei am Balkan gefährlicher, in Zentraleuropa sei Lage sicherer), die Kosten einer Schleppung liegen zwischen 1.500 und 6.000 Euro, Geschleppte müssen für Masken teils bis zu 50 Euro extra zahlen. Österreich ist auf der Route das erste reiche Land der EU welches der ehemaligen westlichen Hemisphäre zugeschrieben wird.

Zu den Abschiebungen: 54 % der Abgeschobenen hatten eine oder mehrere Vorstrafen, 2020 wurden 22 Charter durchgeführt – im EU-Vergleich eine sehr gute Leistung. Insgesamt wurden 8.675 Personen abgeschoben.

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