Ikone berät "Gold"-Adler

Schlierenzauer: "Ich erde ihn, damit er nicht abhebt"

Gregor Schlierenzauer berät Olympiasieger Stephan Embacher. Die Skisprung-Ikone in "Heute" über sein neues Leben und Kritik am Skiverband.
Martin Huber
27.02.2026, 07:09
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

"Das Fliegen fehlt mir nicht", sagt Gregor Schlierenzauer zu "Heute".

Zu sechs WM-Goldmedaillen flog der "Super-Adler" in seiner Karriere, 53 Weltcupspringen gewann der Tiroler. "Ich kann mich noch reinfühlen, wie es ist, zu fliegen. Das reicht mir. Als ich 2021 meinen letzten Wettkampf machte, wusste ich genau: Das ist mein letzter Sprung. Da bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Es war mein Schlussstrich, ich werde nie wieder Skispringen. Da haben es Skifahrer oder Tennisspieler einfacher. Skispringen wäre heute zu gefährlich für mich. Ich hätte nicht die Energie dafür."

"Er hat das Sieger-Gen"

Am Kulm segeln Stefan Kraft und Co. heute in der Quali und am Wochenende weit über 200 Meter. Einen "Adler" beobachtet der 36-Jährige auf der Mega-Schanze besonders genau: Olympiasieger Stephan Embacher. Der Gold-Held von Predazzo ist sein Schützling. "Ich mag das Wort Manager nicht. Ich unterstütze und berate ihn im Hintergrund."

Schlierenzauer weiß, dass sich nach einer Olympia-Goldmedaille im Alter von 20 Jahren "vieles ändert". "Positiv ist, dass das Selbstvertrauen größer wird. Es gibt auch eine Kehrseite der Medaille. Die Herausforderung ist, dass Stephan bei sich bleibt. Er hat das Sieger-Gen, schöpfte früh sein Potenzial aus. Meine Rolle ist es, ihn zu erden. Damit er nicht abhebt und seinen Weg ruhig weitergeht."

Schlierenzauer ist positiv: "Die Kunst ist es jetzt, dass seine persönliche Entwicklung mit der sportlichen Schritt hält. Ich mache mir da wenig Sorgen, weil er gut aufgestellt ist – vom Elternhaus bis zu den Trainern."

"Ich bin nicht sein Coach"

Es kommt vor, dass Embacher und Schlierenzauer gemeinsam Sprünge auf Video analysieren oder am Material tüfteln. "Ich bin nicht sein Coach, ich versuche aber für ihn zu filtern: Positive Erfahrungen gebe ich weiter, weniger gute will ich ihm ersparen. Gelingt mir das, ist schon viel geschafft."

Schlierenzauer hat als Athlet Höhen und Tiefen erlebt. Herausforderungen gab es auch nach dem letzten Telemark zu meistern: "Es gibt nicht nur den Sport, sondern auch das wahre Leben. Mein Karriereende war von 100 auf 0. Ich kannte ja nur die Skisprung-Bubble. Schon als Kind habe ich dem alles untergeordnet. Als es vorbei war, fragte ich mich: Was mache ich jetzt? Wer bin ich? Und was will ich eigentlich?"

Heute ist Schlierenzauer in der Immobilienbranche erfolgreich, ist bei Start-ups beteiligt, arbeitet für den ORF als Skisprung-Experte und berät Embacher. "Ich habe das recht clever gelöst und bin angekommen. Mir geht es gut."

Den Gold-Krimi im Super-Teambewerb von Embacher und Teamkollege Jan Hörl im Schneechaos von Predazzo verfolgte er übrigens im Auslauf. "Es war schwierig für alle Beteiligten, weil es wie auf Knopfdruck plötzlich riesige Flocken schneite. Wir haben uns nur so angeschaut."

Die Kritik aus Deutschland, dass um 0,3 Punkte eine Medaille verpasste, hat Schlierenzauer mitbekommen. "Ich hinterfrage, wie auf die Situation reagiert wurde. Ich finde, der internationale Skiverband muss sich professioneller aufstellen. Vorbild ist die Formel 1, wo es ein Wetterradar und klare Prognosen gibt."

{title && {title} } mh, {title && {title} } 27.02.2026, 07:09
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen