Die Dominanz der Schweizer Abfahrer ist derzeit erdrückend – und genau das könnte langfristig zur Herausforderung für Swiss Ski werden. Ein Blick nach Österreich zeigt, wie eine goldene Generation zum Bremsklotz für den Nachwuchs werden kann. Entsprechend denkt man in der Schweiz bereits über ungewöhnliche Maßnahmen nach.
Marco Odermatt und Franjo von Allmen haben den Speed-Winter nahezu im Alleingang geprägt. Fünf von sechs Weltcup-Abfahrten gingen an die Eidgenossen, von Allmen krönte sich zudem bei Olympia dreifach zum Gold-Helden. Seit Ende Dezember 2023 stand bei jeder Abfahrt zumindest ein Schweizer auf dem Podest – eine beeindruckende Serie. Zum Vergleich: Österreichs Männer schafften im selben Zeitraum lediglich drei Podestplätze.
Doch genau eine solche Übermacht kann zum Problem werden. ORF-Experte Hans Knauss erinnert an die späten 1990er-Jahre, als der ÖSV im Super-G sogar einen Neunfachsieg feierte. "Diese gigantische Dominanz hat sich negativ auf unseren Nachwuchs ausgewirkt", sagt Knauss rückblickend. Viele Talente seien damals im Europacup hängen geblieben, weil im Weltcup kaum Plätze frei waren. Die Folge: Zwei Generationen gingen dem ÖSV verloren.
Ein Szenario, das nun auch der Schweiz drohen könnte. Aktuell befinden sich neun Schweizer unter den Top 30 der Abfahrts-Weltrangliste – Cheftrainer Tom Stauffer kann jedoch nur acht fixe Startplätze vergeben. Zusätzliche Tickets gibt es nur über Top-3-Ergebnisse im Europacup.
Auch dort ist die Dichte enorm: Gleich sieben Schweizer rangieren unter den besten 16 der Europacup-Abfahrer. Mehrere Nachwuchshoffnungen stehen in den Startlöchern, doch nicht für alle wird es einen Platz im Weltcup geben. Talente, die in anderen Nationen beste Perspektiven hätten, drohen im "Nadelöhr" stecken zu bleiben.
Bei Swiss Ski wird daher bereits über Alternativen nachgedacht. Im Frühjahr sollen B- und C-Kader-Athleten Schnuppertrainings bei den Skicrossern absolvieren – eine Art Ventil für überzählige Speed-Talente. Eine ungewöhnliche Maßnahme.