Mitten in Bregenz steht ein Gebäude mit einer rekordverdächtigen Front: Die Fassade des Hauses in der Kirchstraße 29 ist nur 57 Zentimeter breit – laut Schild über der Tür die schmalste Europas. Selbst die Eingangstür ist breiter als die Hausfront.
Hinter der schmalen Fassade verbirgt sich allerdings deutlich mehr Platz. Das Gebäude wird nach hinten keilförmig breiter und bietet rund 60 Quadratmeter Fläche. Heute befindet sich dort die Galerie 9und20. "Das über die Fassade hinausgehende Stück 'gehört bereits zum Haus 31'", erklärt Klaus Feldkircher gegenüber ORF Vorarlberg.
Das Haus besitzt keine eigenen Seitenwände und wurde irgendwann in eine bestehende Baulücke eingefügt – Fachleute sprechen von parasitärer Architektur. Erstmals urkundlich erwähnt wurde das Gebäude 1796. Später befand sich dort über Generationen ein Bürstenbinder- und Kinderwagengeschäft. Nach Jahren des Leerstands wurde das Haus zwischen 2017 und 2019 umfassend saniert.
Genau genommen handelt es sich heute nicht um das schmalste Haus Europas, sondern um jenes mit der schmalsten Fassade.