Ein paar Sekunden veränderten den Abend von Herrn B. schlagartig. Als er auf dem Heimweg war, sprach ihn plötzlich ein Fremder an. Die Situation eskalierte sofort: Der Mann bedrohte ihn, verlangte Geld und kam immer näher. Herr B. reagierte wie gelähmt – und übergab schließlich seine Geldbörse.
Erst als der Täter verschwand, bemerkte Herr B., wie sehr ihn der Vorfall erschüttert hatte. Sein Körper zitterte, die Gedanken kreisten unaufhörlich um das Geschehen. Zuhause angekommen, spielte sich der Überfall immer wieder vor seinem inneren Auge ab. Schlaf fand er in dieser Nacht kaum.
Besonders belasteten ihn die Fragen nach seinem eigenen Verhalten. Warum hatte er sich nicht gewehrt? Hätte er anders reagieren müssen? Die Zweifel wurden immer größer, obwohl er körperlich unverletzt geblieben war.
Noch am selben Abend wandte sich Herr B. an die Krisenhilfe OÖ. Die Telefonnummer hatte er von der Polizei erhalten. Eine Mitarbeiterin kam zu ihm nach Hause und nahm sich Zeit für das Erlebte. Im Gespräch bekam Herr B. Raum, über den Vorfall zu sprechen – ohne Druck und ohne Wertung.
Um die Krisenversorgung in Oberösterreich flächendeckend und noch umfassender gewährleisten zu können, haben sich pro mente OÖ, EXIT-sozial, Rotes Kreuz, Telefonseelsorge OÖ und Notfallseelsorge unter dem Namen Krisenhilfe OÖ zusammengeschlossen.
Neben dem ständig verfügbaren Krisentelefon bietet die Krisenhilfe OÖ in psychosozialen Notsituationen auch Online- und Chatberatung, persönliche Gespräche und mobile Einsätze, etwa in Form von Hausbesuchen.
Die Krisenhilfe OÖ unterstützt in allen psychischen Notsituationen – rund um die Uhr, sieben Tage die Woche, 365 Tage im Jahr unter der Telefonnummer 0732 / 21 77.
Alle Infos unter krisenhilfeooe.at.
Dabei wurde ihm erklärt, dass seine Reaktion keineswegs ungewöhnlich war: "Nach einem Überfall sind viele Betroffene stark verunsichert und stellen ihr eigenes Verhalten infrage", so Daniela Ortner von der Krisenhilfe OÖ. Das Erstarren in einer Bedrohungssituation zähle zu den natürlichen Schutzmechanismen des Körpers.
"Dieses Verständnis entlastet und hilft, das Erlebte einzuordnen." Gemeinsam besprachen sie, wie Herr B. wieder mehr Sicherheit im Alltag gewinnen und welche weiteren Unterstützungsangebote er nutzen kann. Die Entlastung kam dann schnell: "Ich habe gedacht, ich hätte falsch reagiert. Jetzt verstehe ich, dass ich einfach überleben wollte", sagte Herr B. nach dem Gespräch.