Zahlen des Schuljahres 2024/25 zeigen: Die Hälfte aller Schulanfänger in Wien versteht zu wenig Deutsch, um dem Regel-Unterricht folgen zu können – "Heute" berichtete. Die Stadt steuert nun dagegen, baut das Deutschkursangebot für Schulanfänger massiv aus.
Allerdings kritisieren manche, dass die Förderung der Lesekenntnisse wohl nicht im Vordergrund stünde, wie ein Fall aus dem 22. Wiener Bezirk zeigt. Dort wird nämlich eine städtische Bibliothek geschlossen. Konkrete Ersatzpläne gibt es keine.
Mit Standorten am Siegesplatz sowie in der Erzherzog-Karl-Straße wurden bereits zwei Büchereien in die Seestadt umgesiedelt, nun wird mit 22. Mai die dritte Bibliothek im 22. Bezirk geschlossen. Grund: Der gesamte Gebäudekomplex beim Schrödingerplatz wird laut "Mein Bezirk" für ein neues Stadtquartier abgerissen.
Die Bezirksvorstehung ist bereits ausgezogen, die VHS und das Jugendzentrum haben neue Standorte in Planung. Für die Bücherei gibt es derzeit jedoch keine Alternative.
Laut einem Sprecher der zuständigen Bildungsstadträtin Bettina Emmerling (NEOS) sollen "derzeit Planungen zur zukünftigen Entwicklung des Büchereistandorts in der Donaustadt unter Berücksichtigung der aktuellen budgetären Rahmenbedingungen weitergeführt" werden. Konkrete Pläne gäbe es aber laut "Mein Bezirk" nicht.
Bezirksvorsteher Ernst Nevrivy (SPÖ) erklärt auf Anfrage: "Selbstverständlich könnte es gerne auch noch mehr Büchereien in der Donaustadt geben – besonders wichtig sind aber auch Ausbau und Modernisierung, wie zuletzt von der Stadt Wien großartig mit der neuen Bücherei in der Seestadt umgesetzt."
Die Büchereien in der Seestadt und in Kaisermühlen seien demnach ausreichend für den Bezirk. Gegenüber "Heute" sieht dies eine Leserin und zeitgleich Anrainerin entschieden anders: "Bei Sprachdefiziten von Schülern ist die Bibliotheksschließung in der Donaustadt eine Schande und Fehlverhalten der Stadtplanung!"