Sex-Vorwürfe um "Bumms-Mobil"

Schülerinnen mussten in Bikinis Lehrer-Auto waschen

Ein Oberstufenlehrer in Bremen soll sich wiederholt an Schülerinnen rangemacht haben. Dennoch urteilte ein Gericht nun: Er darf (vorerst) bleiben.
Nick Wolfinger
25.02.2026, 13:52
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Große Aufregung an einem Gymnasium im norddeutschen Bremen. Ein Lehrer (49) soll dort ein Verhältnis mit einer volljährigen Schülerin gehabt haben. Alleine das kann bereits für eine Suspendierung ausreichen. Darüber hinaus soll er auf einer Landschulwoche im betrunkenen Zustand Schülerinnen umarmt und berührt haben.

Unter Schülern kursiert zudem ein Video, das Schülerinnen beim Waschen des Autos des Lehrers zeigen soll – in Bikinis! Und trotzdem urteilte nun ein Gericht: Der Lehrer darf weiter unterrichten. Das bringt die Eltern der Schüler auf die Palme: Wie kann das sein?

Schule reagierte (zu) schnell

Die Bremer Schulbehörde wurde erstmals im April 2023 auf den Pädagogen aufmerksam, wie die deutsche "Bild"-Zeitung berichtet. Ein Schüler des Gymnasiums "Horn" in Bremen hatte sich gemeldet: Er schilderte, wie der Lehrer auf einem Schulausflug betrunken die Arme um Schülerinnen legte und erzählte von der Existenz eines Handyvideos aus dem Jahr 2021, in dem Schülerinnen in Bikinis das Auto des Lehrers wuschen.

Nachdem erst vor kurzem ein jahrelang vertuschter Missbrauchsfall an einer Schule in Erfurt rechtlich aufgearbeitet worden war, wollte sich die Schulbehörde in Bremen wohl nichts vorwerfen lassen – und reagierte schnell. Der Lehrer wurde mit sofortiger Wirkung freigestellt.

20 Mal Sex mit Schülerin

Damit hat die Behörde möglicherweise einen Formfehler begangen, wie ein Gericht auf Beschwerde des Lehrers nun feststellte. Der Fehler: Die Behörde gab dem Lehrer keine Gelegenheit zur Stellungnahme. Er hätte aber zwingend angehört werden müssen, bevor er vom Dienst freigestellt wird. Die Freistellung wurde im März 2024 aufgehoben, das Verfahren ging in die nächsthöhere Instanz.

Zur sexuellen Beziehung mit einer Schülerin fasst das Gericht zusammen: Die betroffene Schülerin sei von 2005 bis 2007 von dem Lehrer unterrichtet worden. Die Beziehung soll von 2008 bis zum Abitur 2009 gedauert haben – als die Schülerin bereits volljährig war. Etwa 20 Mal soll es in dieser Zeit zum Sex gekommen sein, schreibt der juristische Nachrichtendienst "Beck Aktuell".

Psychische Instabilität ausgenutzt?

Im Raum stand, dass der Lehrer während der sexuellen Beziehung die psychische Instabilität der jungen Frau ausgenutzt habe – nach eigenen Angaben hätte die Schülerin durch die Belastung nach der Beziehung an Bulimie gelitten.

"Ohne ein eindeutiges Dokument", so beck.de, "etwa eine amtsärztliche Stellungnahme über den konkreten Zusammenhang zu psychischen Störungen der Schülerin", ließ das Gericht auch diesen Einwand nicht gelten.

Vorfall am Badesee

Zur Bikini-Waschaktion soll der Lehrer erklärt haben, dass dies nicht auf seine Aufforderung hin geschehen sei – und es eben ein heißer Sommertag war, berichtet "Bild". Laut der deutschen Zeitung würden Beteiligte den Ablauf der Landschulwoche an einem Badesee jedoch anders schildern.

Auch Alkohol sei im Spiel gewesen. Dabei soll der Lehrer Schülerinnen an mehreren Körperstellen berührt haben, zitiert die "Bild" beteiligte Schüler.

Gericht weist Berufung ab

Nun urteilte das Oberverwaltungsgericht Bremen (OVG) im Berufungsverfahren im Februar 2026 jedoch: Das Vertrauensverhältnis zwischen Schule und Eltern werde bei sexuellen Beziehungen zu volljährigen Schülerinnen nicht belastet. An der einvernehmlichen Beziehung zur erwachsenen Schülerin sei nichts auszusetzen – solange kein Abhängigkeitsverhältnis bestehe.

Dass sich der Lehrer allgemein "nicht so verhalten [habe] wie ein Lehrer sich verhalten sollte" sei kein abschließendes Argument für eine Dienstenthebung, so das Gericht laut beck.de, sondern lediglich "ein Aspekt in der rechtlichen Erwägung".

Schulname mit "Epstein Island" übermalt

An der Schule herrscht nun jedenfalls Sorge vor einer Rückkehr des Lehrers in den Unterricht. Das "gemütlich ausgestattete" Camping-Mobil der Lehrkraft wird von Schülern ironisch als "Bumms-Mobil" bezeichnet, wie die "Bild" zitiert. Das Namensschild vor dem Eingang der Schule wurde mit dem Schriftzug "Epstein Island" übersprayt.

Schulbehörden-Sprecherin Patricia Brandt erklärte auf "Bild"-Anfrage: "Wir hätten uns einen anderen Ausgang des Verfahrens gewünscht. Wir halten weiterhin an unserer Rechtsauffassung fest." Fix ist: Der Lehrer darf wieder unterrichten – vorerst zumindest. Das Hauptverfahren läuft noch.

{title && {title} } NW, {title && {title} } Akt. 25.02.2026, 17:03, 25.02.2026, 13:52
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