Der sogenannte Bandenkrieg zwischen Tschetschenen und Syrern forderte im Sommer in Wien für Dutzende Verletzte und beinahe für Tote – wir berichteten. Im Herbst schlossen die Ältesten beider Communitys Frieden, was die jetzt stattfindende Aufarbeitung am Wiener Landesgericht nicht einfacher machte.
Zumindest sechs Schüsse fielen am 4. Juli bei der U6-Station Jägerstraße, zwei Syrer erlitten durch Querschläger Verletzungen. Jetzt wegen Mordversuchs angeklagt: BMW-Fahrer Emir K. (31) und sein vorbestrafter Freund Schamil G. (29) waren laut Polizei in Tatortnähe. Doch beide Tschetschenen gaben an, nicht geschossen zu haben.
Und dann knickten am Landl reihenweise Zeugen ein, konnten sich plötzlich nicht mehr genau erinnern oder verweigerten gänzlich die Aussage. Gefundene Schmauchspuren auf seiner Kleidung und am Lenkrad erklärte der Hauptangeklagte mit Schießstandbesuchen, leichte Schmauchspuren in Innentaschen der Bauchtasche des Zweitangeklagten könnten laut Gutachten durch Hineingreifen entstanden sein.
Der bisher unbescholtene Projektmanager (Verteidigung: Alexander Philipp) bekannte sich folglich ebenso "nicht schuldig", wie sein vorbestrafter Freund Schamil G. (29) (Verteidigung: Florian Kreiner). Der meinte zwar vor Ort gewesen zu sein, bestritt aber ebenso, geschossen zu haben. "Ich war Pizza essen mit einer Freundin", meinte er. Die Freundin bestätigte das tatsächlich auch unter Wahrheitspflicht.
Das laut Gutachter "suboptimale Spurenmanagement" der Polizei, die Patronenhülsen gereinigt hatte oder deren Sicherstellung nicht protokolliert haben soll, tat im reinen Indizienprozess ohne wirkliche Beweise sein Übriges: Dennoch hielten die Geschworenen den BWW-Lenker für schuldig: 14 Jahre Haft. Sein Freund kam jedoch im Zweifel frei – beide Urteile sind nicht rechtskräftig.