Fußball emotionalisiert. Das ist schon seit Ewigkeiten bekannt. Besonders deutlich machte das aber das gestrige Spiel zwischen Kroatien und Argentinien. Nach dem Schlusspfiff herrschte auf der einen Seite der Welt Freudentaumel - auf der anderen Seite sah man nur hängende Köpfe.
Nach dem 3:0 der Kroaten gab es im ganzen Land kein Halten mehr. Ausnahmezustand von Zagreb bis nach Dubrovnik. Autokolonen hupten bis zum Sonnenaufgang durch die Straßen. An Schlafen war nicht zu denken - wollte auch niemand.
R.I.P. argentinischer Fußball
Ausnahmezustand gab es aber auch in Argentinien. Für einen Höhepunkt - oder eher einen Tiefpunkt - sorgte der argentinische Fernsehsender TyC Sports. Nach der Analyse standen die sechs Experten von ihren Stühlen auf und hielten eine Schweigeminute für den Fußball ab.
Offenbar war diese Niederlage zu viel für das argentinische Temperament. Fußball gilt in den südamerikanischen Land seit jeher als Nationalsport. Nun droht bereits in der Gruppenphase das Aus.
Es könnte noch klappen
Direkt nach Schlusspfiff flüchteten Lionel Messi und Trainer Jorge Sampaoli sofort in die Kabine. Besonders der Teamchef zog den Hass der Fans auf sich. Bevor er den Rasen verließ, wurde er von den argentinischen Anhängern wüst beschimpft und sogar bespuckt.
Argentinien ist nun auf Schützenhilfe angewiesen.Falls Nigeria gegen Island gewinnt und die Argentinier im letzten Gruppenspiel gegen die Afrikaner auch drei Punkte holen können, dann klappt der Aufstieg. Verliert Nigeria - dann ist das Aus besiegelt! Stellt sich die Frage, wie lange dann im Land geschwiegen wird. (slo)