Häme von den (N)eidgenossen: In der Schweiz wird heftig über die Trainingsmethoden der ÖSV-Adler gelästert. Anlass ist Jonathan Briefs. Der Kölner Improtheater-Spezialist wurde vom Verband als Mentaltrainer angeworben - und wird als "Ösi-Humorberater" verspottet.
Es klingt wie ein schlechter Witz: Ein Deutscher, der Österreichern zum Lachen bringen soll? Klischeebewussten Landsleuten wird an dieser Stelle die Grausbirn aufsteigen, allerdings: Die Geschichte stimmt (zumindest zum Teil).
Seit zwei Jahren sorgt der Kölner Improvisationstheater-Lehrer Jonathan Briefs bei den ÖSV-Adlern für gute Laune. "Es geht um das Thema Leichtigkeit im Kopf. Zur Leichtigkeit braucht man Freiheit, und dabei kann Lachen helfen", erklärte Briefs der Süddeutschen Zeitung seine Tätigkeit.
Konflikte werden "erspielt" und gelöst
Hintergrund: Damals kam es am Rande der Vierschanzen-Tournee zu Revierstreitigkeiten zwischen Thomas Morgenstern und Gregor Schlierenzauer. Der lachende Dritte hieß Janne Ahonen, er gewann den Bewerb. "Mittels Improvisationstheater haben wir dann Möglichkeiten gefunden, das Thema zu erspielen, viel darüber zu lachen und es so auf eine unverkrampfte Art besprechbar zu machen", so Briefs in der SZ.
Briefs sorgt seither erfolgreich dafür, dass Harmonie und Ruhe zu den Stärken der Adler zählen. Dringend notwendig, denn die ÖSV-Phalanx wächst beständig: Neben Olympiasieger Morgenstern und Rekordbrecher Schlierenzauer sprangen auch Wolfgang Loitzl und zuletzt Andreas Kofler ins Rampenlicht.
Schweizer Spott
Dass Mentaltraining im Spitzensport mittlerweile zum Einmaleins zählt, dürfte sich auch in der Schweiz herumgesprochen haben (im Gegensatz zum Österreichischen Fußballbund). Trotzdem: Unsere Nachbarn finden die Maßnahme zum Brüllen. Das Onlineportal 20Minuten.ch zeigt sich amüsiert über den "Ösi-Humorberater".
Vor allem dessen Anekdote zu Simon Amann ist den Kollegen eine Geschichte wert. Briefs hatte sich eigenen Angaben zufolge beim Schweizer Skisprung-Ass Simon Amann mit den Worten "Hallo, ich gehöre zur österreichischen Mannschaft. Ich bin der Improvisationslehrer und der Humor-Berater" vorgestellt.
Amann dürfte den Schmäh, der keiner war, nicht verstanden haben, erzählt Briefs: "Der war so irritiert, dass ihm völlig die Gesichtszüge entgleist sind. Ich habe mich verabschiedet, und dann habe ich gehört, wie der Ammann hinter uns murmelte: 'Humor-Berater? Wieso Humor-Berater?'"