Tierrettung im Waldviertel: Am 20. Mai halfen drei Personen für eine außergewöhnliche Rettungsaktion zusammen – ein Seeadler brauchte Hilfe. Nina Engelmayer (38) fand den Seeadler auf einer Straße zwischen Ottenstein (Bezirk Krems, NÖ) und Krumau (Bezirk Krems, NÖ).
Engelmayer habe den Seeadler auf der Straße sitzen sehen. Sie wollte nur schnell ein Foto machen, habe dann aber bemerkt, dass er nicht wegfliegen kann.
Sie habe noch ein wenig gewartet: Vielleicht konnte oder wollte er gerade nicht fliegen. Dann aber der Schreck: Sein Flügel war verletzt. Ihren ersten Eindruck des Tieres beschreibt Engelmayer im "Heute"-Gespräch so: Sie habe sich gedacht, "wenn er nicht wegfliegt, braucht er wahrscheinlich Hilfe."
Florian Richter (31), Wildökologe und Ornithologe am Institut für Tierökologie und Naturraumplanung (Graz), war zur selben Zeit dienstlich in dem Gebiet unterwegs. Er habe Engelmayer auf der Straße stehen gesehen – sie hatte die Warnblinkanlage an und beruhigte den Verkehr. Richter hielt an.
Auch er sah den Flügel des Seeadlers hängen. Sie haben versucht, Personen aus der Gegend zu erreichen, die sie beim Fangen unterstützen beziehungsweise jemanden, dem sie den Vogel überlassen können. Laut Engelmayer wollten viele zuerst gar nicht helfen. Dann wurde ihnen geraten, den Seeadler einzufangen, erzählt Richter. Als sie sich dem Tier jedoch auf drei bis fünf Meter annäherten, lief er schon die steile Böschung zur Kamp hinunter.
"Man hat gesehen, er kann nicht fliegen", so Richter über den Zustand des Tieres. Zu Fuß sei er trotzdem fit gewesen und halb flatternd die Böschung hinunter geflüchtet. Leoni Fasching vom Tierrettungsverein Krems kam vorbei und half mit. Sie und Richter folgten dem Tier hinunter und näherten sich ihm von zwei Seiten. Er habe einen „beherzten Satz" gemacht und war im Wasser, erzählt Richter im "Heute"-Gespräch.
"Dann bin ich halt reingesprungen", so Richter. Er holte das Tier ein und schwamm dann mit ihm zurück – Rettung gelungen. Er habe noch nie einen Seeadler auf der Hand gehalten und auch noch nicht oft Kontakt mit einem solchen Tier gehabt: "Das ist etwas sehr Seltenes und Besonderes."
Der Seeadler befindet sich derzeit bei der Familie Brunner zur Betreuung – sie haben einen Fischereibetrieb und betreiben ehrenamtlich eine Wildtierpflegestation. Manuel Brunner (38) erzählt im "Heute"-Gespräch, dass sich das Tier derzeit in einem Gehege in artgerechter Haltung befindet. Der Seeadler bekommt Fische und eine ausgewogene Ernährung.
Die Flügelknochen seien gebrochen und er habe einen abgekapselten Eiterherd. Das sei aber sehr gefährlich zu operieren. Die Knochen müssen verwachsen, der Eiterherd vergehen. Jetzt müssen sie also erst einmal abwarten, ob man ihn wieder auswildern kann.