Eigentlich sollte es der entspannte Abschluss eines Familienurlaubs werden. Hermann B. (Name der Redaktion bekannt) war mit seiner Frau, seiner Tochter und der erst sechs Monate alten Enkelin auf der Heimreise vom Freizeitpark Gardaland. Auf der Autobahn zwischen Verona und Venedig nahm die Fahrt eine dramatische Wendung.
"Plötzlich haben sie auf meine Tür geschossen", erzählt der Niederösterreicher (Bezirk Bruck an der Leitha) im Gespräch mit "Heute", "entweder mit einer Luftdruckpistole oder einem Stein." Der Knall ließ die ganze Familie zusammenzucken, "Wir sind erschrocken, es hat ordentlich gescheppert."
Kurz darauf begann der Albtraum erst richtig. Ein silberner Mini mit italienischem Kennzeichen blieb bei 120 km/h dicht hinter dem Opel Combo. Die Insassen hupten, gestikulierten wild und forderten Hermann B. immer wieder auf, stehen zu bleiben. Der Lenker ließ sich davon jedoch nicht einschüchtern und fuhr weiter.
Statt anzuhalten, griff ein Mitfahrer zur Kamera und machte zwei Fotos vom Verfolgerauto. Das zeigte offenbar Wirkung: Der Mini-Fahrer brach die Verfolgung ab, ging vom Gas und blieb schließlich auf dem Pannenstreifen stehen.
Wie gefährlich die Situation war, wurde der Familie erst später bewusst. "Wenn ich gefahren wäre, hätte ich mich bestimmt erschrocken und das Lenkrad verrissen", sagt die Tochter.
So funktioniert der "Spiegel-Trick"
Die Masche ist immer dieselbe: Betrüger beschießen ein vorbeifahrendes Auto – am liebsten nehmen sie ausländische Touristen ins Visier. Dann bringen sie den Autofahrer zum Anhalten und behaupten, dass ihr Auto gestreift wurde. Für den "kaputten" Seitenspiegel fordern sie eine Entschädigung, dann habe sich die Sache erledigt.
Die Betrüger spekulieren darauf, dass die Touristen im Ausland keinen Ärger wollen, eingeschüchtert sind und bezahlen.
Sehr häufig gelingt ihnen der Coup.
An der nächsten Raststätte entdeckte die Familie zwei tiefe Dellen an der Fahrertür. Später erstattete sie auf einer Polizeistation in Tarvis Anzeige. Große Hoffnungen auf eine Aufklärung macht sich Hermann B. allerdings nicht.
Dem Niederösterreicher ist es vor allem wichtig, andere Urlauber zu warnen. Für Hermann B. war es nicht das erste Mal. "Mir ist das schon vor ein paar Jahren passiert. Damals waren sie noch aggressiver."