Der 25. Juni 1982 – also genau heute vor 44 Jahren – hat sich in die Fußballwelt eingebrannt. Es war das Spiel zwischen Österreich und Deutschland bei der Weltmeisterschaft 1982 im spanischen Gijon. Es war ein 1:0-Erfolg der Deutschen, der den Fußball für immer prägte.
Damals hatte Horst Hrubesch in der elften Minute für das 1:0 der Deutschen gesorgt. Ein Ergebnis, das beide Teams zum Aufstieg verhalf. Unsere Nachbarn hatten nach der 1:2-Pleite gegen Algerien unbedingt einen Sieg gebraucht, wären sonst ausgeschieden. Österreich hätte nicht höher als 0:2 verlieren dürfen. Was folgte, war ein Fußball-Trauerspiel. Ein Nichtangriffspakt über den restlichen Spielverlauf hinweg, der auch noch in der Weltöffentlichkeit dargeboten wurde. Ballgeschiebe auf beiden Seiten. Und nur ein Spieler, der von den Absprachen nichts gewusst haben soll: Walter Schachner.
Der damalige ORF-Kommentator Robert Seeger hatte sogar gesagt, die Zuschauer sollen auf einen anderen Sender umschalten. Algerische Fans im Stadion wedelten mit Geldscheinen, die spanischen Fans vor Ort zückten ihre weißen Taschentücher und schwenkten sie – ein Zeichen, das aus dem Stierkampf bekannt ist und die Unzufriedenheit des Publikums darstellen soll. Trotzdem zogen Österreich und Deutschland den Nichtangriffspakt durch. Und die Algerier mussten nach Hause fahren, schieden aus.
"Die Leute sind immer empört, die finden immer irgendetwas. Beide sind weiter, das zählt", hatte Deutschlands Paul Breitner erklärt. Und Österreichs Hans Krankl meinte uneinsichtig: "Das Wichtigste für uns ist, dass wir es in die zweite Runde geschafft haben." Und der damalige ÖFB-Teamchef Felix Latzke wischte damalige Spekulationen beiseite: "Es war kein Betrug und gab auch keine Absprache. Wenn jemand das in den Raum stellt, dann lügt er." Algeriens damaliger Verbandspräsident Hadj Sekkal hatte nach dem Spiel beide Teams verbal angegriffen: "Es ist eine Schande, dass sich zwei so große Nationen wie Deutschland und Österreich auf dem Rücken einer kleinen Nation wie Algerien für die zweite Runde qualifizieren."
Deutlich im Ton vergriffen hatte sich derweil Hans Tschak, der ÖFB-Delegationsleiter. "Natürlich ist heute taktisch gespielt worden. Aber wenn jetzt 10.000 Wüstensöhne im Stadion einen Skandal entfachen wollen, zeigt das doch nur, dass die zu wenig Schulen haben. Da kommt so ein Scheich aus einer Oase, darf nach 300 Jahren mal WM-Luft schnuppern und glaubt, jetzt die Klappe aufreißen zu können." Aussagen, die auch damals schon völlig unangebracht waren, aber nicht gerade von Einsicht beim österreichischen Team zeugen.
Heute sieht es "Goleador" Hans Krankl übrigens anders. ""Es war nicht schön, ein Skandal, ein unmögliches Spiel. Es war aber durch die Konstellation klar, dass den Deutschen ein 1:0 reicht. Sonst wären sie wieder nach Hause gefahren, wie zuvor in Argentinien. Die haben geraunt, wir haben uns einlullen lassen. Es war ein Hin- und Hergeschiebe, grauslich. Aber wenn ich den Ball in der 90. Minute im Sechzehner bekommen hätte, hätte ich den ins Kreuzeck geschossen zum 1:1 und sie wären wieder nach Hause gefahren", so Krankl jüngst bei "Sky".
All das hatte weitreichende Folgen für den Weltfußball. Seither müssen entscheidende Spiele bei Endrunden nämlich immer zeitgleich ausgetragen werden. Und genau so ein Fall kommt nun auch auf Österreich und kurioserweise Algerien zu. Beide bestreiten am Sonntag (4 Uhr) das "Finale" der Gruppe J. Es geht um Platz zwei und um den Aufstieg. Mit einem Unentschieden sind beide Teams wohl sicher weiter, ist Österreich Zweiter. Nachdem die Partie den Abschluss der Gruppenphase bildet, wissen beide Teams schon im Voraus, welches Ergebnis zum Aufstieg reicht. Schon jetzt weht ein Hauch von der "Schande von Kansas City" durch internationale Medien.
Doch kommt es dazu wirklich? Offen. Der Stachel sitzt bei den Algeriern nach wie vor besonders tief. "Ich rate ihnen, sich gegen Österreich zu revanchieren. Sie haben sich damals mit Deutschland verschworen. Man muss dieses Spiel mit dem Geist der Revanche angehen", sagte etwa Lakhdar Belloumi, der 1982 selbst Teil des WM-Kaders Algeriens war, gegen Deutschland getroffen hatte.
Was es diesmal aber etwas komplizierter macht: Es geht nicht nur ums Weiterkommen, sondern auch um den Gegner. Der Gruppen-Zweite bekommt es wohl mit Spanien zu tun, der Gruppen-Dritte mit einem Erstplatzierten, der könnte aber auch Schweiz oder die USA heißen.