"Plötzlich ging das Licht aus, die Klimaanlage fiel aus – und dann: nichts mehr. Kein Ton, keine Durchsage", sagte damals eine Betroffene zu "Heute". Ein Mann, der damals im Tunnel gefangen war: "Man fühlte sich wie in einem Käfig. Und keiner kam."
Mehr als sieben Stunden saßen rund 400 Passagiere im Sommer 2025 in einem defekten ICE im Wienerwald-Tunnel westlich von Wien fest. Jetzt liegen erste Untersuchungsergebnisse der Eisenbahnbehörde vor.
Wie ZIB1 und das ORF-Radio berichten, zeichnet der Zwischenbericht ein Bild aus Fehlentscheidungen, Kommunikationsproblemen und mangelnder Vorbereitung. Besonders kritisch: Laut Aussagen der Betroffenen habe es für Lokführer und Zugbegleiter kaum praktische Evakuierungsübungen gegeben.
"Es ist durchaus vorgekommen, dass seit der Grundausbildung keine praktische Übung mehr durchgeführt wurde", sagte Michael Luczensky von der Eisenbahnbehörde im Verkehrsministerium im ORF.
Die ÖBB weisen die Kritik zurück. Sprecher Bernhard Rieder betonte: "Alle Mitarbeiter durchlaufen Fortbildungen, Weiterbildungen, die alle relevanten Sicherheitsthemen beinhalten. Das passiert zweimal im Jahr."
Besonders brisant ist ein Detail zur Rettungsaktion: Ein erster Evakuierungsversuch mit einem anderen Zug im Tunnel soll laut Bericht sinnlos gewesen sein. Gleichzeitig war nämlich der Strom im Tunnel abgeschaltet - der Ersatzzug konnte deshalb gar nicht losfahren. Allein dadurch habe sich die Rettung um zwei Stunden verzögert.
Für die Passagiere wurde das Warten zur Belastungsprobe. Stundenlang saßen sie ohne Licht und ohne funktionierende Toiletten im Zug fest. Einige verließen laut Bericht sogar auf eigene Faust den Zug, irrten durch den Tunnel und mussten gesucht werden.
Der Zwischenbericht wirft aber auch neue Fragen auf. So wurden laut ORF zwar Bahnmitarbeiter befragt, aber kein einziger der 400 Passagiere. Dass die Reisenden laut Bericht "ruhig und kooperativ" gewesen seien, stütze sich daher ausschließlich auf Aussagen der Mitarbeiter im Zug.
Als Folge der Untersuchung sollen die ÖBB nun ihre Sicherheitskonzepte überarbeiten - teilweise sei das bereits passiert. Der Gewerkschaft geht das aber nicht weit genug.
"Wir können aus gewerkschaftlicher Sicht nur an die zuständige Behörde appellieren, hier konsequent vorzugehen. Wir möchten nicht in die Situation kommen, dass es tragische Unfälle oder Vorfälle braucht, um letztendlich Maßnahmen zu setzen, die die Sicherheit garantieren", sagte vida-Chef Roman Hebenstreit.