Experten mahnen Europa

"Sieg Russlands in Ukraine ist alles andere als sicher"

Experten des ISW betonen, dass Russlands Sieg keineswegs so sicher ist, wie Putin es Europa gerne vormacht. Der Preis der Eroberungen ist hoch.
Newsdesk Heute
27.11.2025, 16:43
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Der Kreml liebt dieses Spiel: Wladimir Putins Propaganda-Kanäle inszenieren Russlands Sieg im Dauerfeuer als "unvermeidlich". Es ist keine Durchhaltebotschaft an die russische Bevölkerung, sondern Teil des Informationskriegs gegen die westlichen Unterstützer der Ukraine.

Die angebliche Aussichtslosigkeit soll Kyjiw dazu drängen, den Forderungen Russlands nachzugeben. Eine entsprechende Wunschliste hatte der Kreml mit dem 28-Punkte-Plan bereits im Weißen Haus deponiert.

"Die Realität auf dem Schlachtfeld zeigt jedoch, dass ein Sieg Russlands in der Ukraine alles andere als sicher ist", mahnen am Donnerstag die Analysten des Instituts für Kriegsstudien (ISW).

"Nicht unmittelbar" und "nicht unvermeidlich"

Präsident Putin und seine Militärkommandanten würden so tun, als wäre die vollständige Besetzung der Oblast Donezk in Griffweite. Das Vormarschtempo seiner Streitkräfte gibt das aber nicht her, sagt das ISW. Die Eroberung des restlichen Gebiets Donezk stehe "nicht unmittelbar" bevor und ein militärischer Sieg gegen die Ukraine sei auch "nicht unvermeidlich".

Die russischen Streitkräfte haben der Eroberung von Pokrowsk und Myrnohrad zum Ziel Nummer 1 erklärt, kommen dabei jedoch nur langsam voran. Am 31. Juli gelang es russischen Infiltratoren erstmals in den Pokrowsk einzudringen. In den seither über 118 Tagen konnte die knapp 30 Quadratkilometer große Stadt aber nicht vollständig eingenommen werden.

Das ISW schätzt anhand verfügbarer Daten, dass die Stadt bislang erst zu zwei Drittel in russische Hand gefallen ist. Das sei "angesichts der Zeit und der aufgewendeten personellen Ressourcen von mindestens zwei kombinierten Armeen ein geringer Prozentsatz".

August 2027

Das Tempo der russischen Vorstöße im gesamten Kriegsgebiet hat sich seit dem Gipfeltreffen in Alaska am 15. August beschleunigt. Zwischen dem 15. August und dem 20. November rückten die russischen Streitkräfte im gesamten Kriegsgebiet durchschnittlich 9,3 Quadratkilometer pro Tag vor.

Diese Vorstöße seien jedoch nach wie vor auf Fußgeschwindigkeit beschränkt. "Unter der Annahme eines konstanten Vorstoßtempos könnten die russischen Streitkräfte bis August 2027 den Rest des von der Ukraine gehaltenen Gebiets Donezk einnehmen", so das ISW. Das unter der Prämisse, dass die Front nicht plötzlich durch unerwartete Entwicklungen kollabiert.

Der angenommene Frontverlauf in der Oblast Donezk am 26. November 2025. In rot: russisch besetzte Gebiete, die grünen Kreise markieren Orte mit heftigen Kampfhandlungen.
ISW

Zwischen der russischen Armee und diesem Erfolg steht aber noch der Festungsgürtel der Städte Slowjansk, Kramatorsk und Druschkiwka. Diese im Häuserkampf einnehmen zu müssen, wäre die Horror-Vorstellung der Putin-Generäle und ein Erfolg längst nicht garantiert. Fix wäre aber: Es würde einen enormen Blutzoll fordern.

Dieser dürfte auch dem Kreml (noch) zu hoch sein, weshalb Putin es über den Umweg des 28-Punkte-Plans versucht. Dieser forderte von der Ukraine die kampflose Abtretung des noch unbesetzten Teils der Oblast Donezk, inklusive des Festungsgürtels (!), als Voraussetzung für einen möglichen Waffenstillstand. So eine Bedingung kann Kyjiw nicht akzeptieren.

{title && {title} } red, {title && {title} } 27.11.2025, 16:43
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