Was als großes Verteidigungsmanöver gedacht war, endete in einer ernüchternden Lehrstunde: Bei einer NATO-Übung in Estland haben zehn ukrainische Soldaten zwei komplette Bataillone alt aussehen lassen. Das berichtet das "Wall Street Journal" (WSJ) – und zeichnet ein beunruhigendes Bild für das westliche Bündnis.
Im Rahmen des Großmanövers "Hedgehog 2025" (5. bis 23. Mai 2025) trainierten rund 16.000 Soldaten aus Estland und weiteren NATO-Partnerstaaten landesweit verschiedene Einsatzszenarien. Ein NATO-Bataillon umfasst üblicherweise zwischen 600 und 1000 Soldaten. Doch ausgerechnet ein kleines ukrainisches Team stellte dabei die Schlagkraft des Bündnisses massiv infrage.
Laut "WSJ" benötigten die Ukrainer lediglich einen halben Tag, um mit ihrer Drohnen-Taktik die gegnerischen Einheiten kampfunfähig zu machen. Insgesamt sollen 17 gepanzerte Fahrzeuge ausgeschaltet worden sein.
Ein Übungsteilnehmer beschreibt gegenüber dem "Wall Street Journal", warum die Situation derart eskalierte. Die NATO-Soldaten "liefen einfach durch die Gegend, ohne irgendwelche Tarnung zu nutzen, stellten ihre Zelte und Fahrzeuge einfach ab". Für die Drohnen-Einheit sei das eine Steilvorlage gewesen.
Die eingesetzten unbemannten Fluggeräte orteten Fahrzeuge und Truppen rasch und simulierten gezielte Angriffe. Mehrere Gesprächspartner der Zeitung berichten, ein NATO-Kommandeur habe die Lage intern drastisch zusammengefasst: "Wir sind am Arsch."
Besonders alarmierend: Gegen die eingesetzten Drohnen fanden die NATO-Truppen offenbar kaum wirksame Gegenmaßnahmen. "Wir haben Fahrzeuge und mechanisierte Einheiten sehr einfach gefunden und konnten sie mit Drohnenschlägen schnell ausschalten", erklärt Aivar Hanniotti, der einen Teil der ukrainischen Kräfte leitete. "Es gab keine Chance, sich zu verstecken."
Hanniotti gilt als estnischer Drohnen-Experte und ist insbesondere als Koordinator für unbemannte Luftfahrtsysteme bekannt. Bei der Übung kamen dem Bericht zufolge rund 30 Drohnen auf einem Gebiet von etwa zehn Quadratkilometern zum Einsatz. An der realen Front in der Ukraine sei die Drohnendichte im Schnitt etwa doppelt so hoch, schreibt das "WSJ".
Die Erkenntnis aus Estland fällt damit deutlich aus – und dürfte im Bündnis für Diskussionen sorgen.