Der Film "Rain Man" hat das Bild geprägt: Autisten als geniale Zahlenkünstler, die komplexeste Rechenaufgaben im Kopf lösen. Doch eine neue Metaanalyse zeichnet ein ganz anderes Bild der Realität.
Im Schnitt schneiden autistische Menschen bei Mathematik-Tests sogar etwas schlechter ab als nichtautistische. Gleichzeitig sind die Unterschiede innerhalb der Gruppe autistischer Personen viel größer.
Wie spektrum.de berichtet, wurde die Studie im renommierten Fachmagazin "Nature Human Behaviour" veröffentlicht. Die Streuung der Ergebnisse lag bei autistischen Testpersonen 17 bis 35 Prozent über jener der Vergleichsgruppen - die Bandbreite der Fähigkeiten ist also enorm.
Ein entscheidender Faktor ist laut der Studie die Intelligenz: Je höher der IQ, desto geringer der Unterschied zwischen autistischen und nichtautistischen Personen. Doch selbst bei gleich hohem IQ bleibt eine Leistungslücke bestehen. Die Forscher vermuten, dass Aufmerksamkeit, Motivation oder emotionale Regulation dabei eine Rolle spielen könnten.
Auffällig ist auch, dass sich in neueren Studien die Leistungsunterschiede eher vergrößert haben. Ein möglicher Grund: Die mathematische Förderung von autistischen Personen stand bisher weniger im Fokus als deren soziale oder sprachliche Fähigkeiten.
Fazit der Forscher: Es gibt durchaus autistische Menschen mit außergewöhnlichem Mathe-Talent. Im Durchschnitt sind die Leistungen aber geringer. Vor allem aber ist die Bandbreite viel größer als bei Nichtautisten. Die Studienautoren fordern deshalb eine stärker individualisierte und langfristige mathematische Förderung.