Der Strafprozess gegen Marius Borg Høiby (29), dem ältesten Sohn von Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit (52), hat begonnen. Dem 29-Jährigen werden unter anderem Vergewaltigung und sexueller Missbrauch mehrerer Frauen vorgeworfen.
Høiby durfte die Aussage des ersten mutmaßlichen Opfers lediglich aus einem anderen Raum verfolgen. Auch die Presse musste den Gerichtssaal verlassen. Nur die 50 zugelassenen Zuschauer durften anwesend sein.
Als die Frau zu ihrer Aussage antrat, begann sie während ihrer Erklärung zu weinen. Laut "VG" sagte sie: "Das ist das Letzte, was ich will. Ich finde es ziemlich surreal. Es überfordert mich total. Ich will nicht weinen. Ich finde die ganze Sache unglaublich unangenehm. Es ist unfair, dass ich da hineingezogen wurde. Ich sitze hier und zittere."
Konkret geht es um die mutmaßliche Vergewaltigung, die sich in den frühen Morgenstunden des 20. Dezember 2018 ereignet haben soll.
Im Keller der Residenz des norwegischen Kronprinzenpaares, Schloss Skaugum, hatte zuvor eine Feier mit viel Alkohol und Trinkspielen stattgefunden.
Als die Staatsanwaltschaft nach dem Moment fragte, als die Frau auf Schloss Skaugum angeblich Sex mit Marius auf der Toilette hatte, begann sie zu weinen.
Mit gebrochener Stimme erklärte die Frau: "Es ist passiert und ich kann auch die Verantwortung dafür übernehmen. Aber es ging sehr schnell, und ich habe es gestoppt."
Die Frau erzählte weiter, dass nach dem Trinkspiel alles schwarz geworden sei: "Das habe ich noch nie erlebt."
Erst Jahre später fand die Polizei Videos jener Nacht auf Marius Borg Høibys Computer, die zeigen sollen, wie er die Frau am Unterleib berührt, während sie auf einem Sofa liegt. Die Ermittler gehen davon aus, dass sie sich zu diesem Zeitpunkt nicht wehren konnte.
Von einem Missbrauch habe sie in der Nacht nichts mitbekommen, so die Frau laut "VG" vor Gericht. "Ich erinnere mich noch, wie ich aus Skaugum herauskam. Ich spürte Frieden und keine Gefahr. Ich war sogar richtig gut gelaunt. Ich ging zu einer Wachfrau und fragte, ob sie mir ein Taxi rufen könne."
Erst als die Polizei 2024 die Ermittlungen aufnahm, wurde die Frau zum Verhör geladen. Sie erklärte nun vor Gericht: "Ich war sehr verärgert darüber, zu diesem Verhör vorgeladen zu werden." Damals wollte sie eigentlich ein gutes Wort bei der Polizei für Marius einlegen, doch dann zeigten ihr die Beamten Videos aus jener Nacht. "Sobald ich diese Beweise sah, entschied ich mich natürlich, die ganze Wahrheit zu sagen", so das Opfer am ersten Prozesstag.
Anschließend bat der Staatsanwalt laut "VG" den Richter um Erlaubnis, die von der Polizei sichergestellten Videoaufnahmen zeigen zu dürfen. Die Sichtung des Beweismaterials erfolgte unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Damit endete der erste Prozesstag.