Johnson ging nach bärenstarken Trainingsauftritten als große Favoritin in die WM-Abfahrt von Saalbach. Und lieferte ab. Die US-Amerikanerin setzte sich 15 Hundertstel vor der Salzburgerin Mirjam Puchner durch, Ester Ledecka aus Tschechien hatte als Dritte 21 Hundertstelsekunden Rückstand.
Es ist die erste Medaille bei einem Großereignis für die 29-Jährige. Und die war vor einigen Monaten noch nicht absehbar. Denn Johnson darf erst seit Dezember 2024 wieder im Weltcup an den Start gehen. Nachdem die US-Amerikanerin eine 14-monatige Dopingsperre absitzen musste, die gesamte Saison 2023/24 verpasste.
Die US-Anti-Doping-Agentur USADA hatte die Sperre ab dem 10. Oktober 2023 ausgesprochen, weil es Johnson dreimal verabsäumt hatte, ihren Aufenthaltsort für allfällige Dopingkontrollen bekannt zu geben. "Es war hart, ich war sehr frustriert. Ich wünschte, ich hätte es besser gemacht", meinte die nunmehrigen Weltmeisterin vor Monaten im Schweizer Fernsehen.
Der erste Vorfall passierte am 29. Oktober 2022, dies sei ihre Schuld gewesen, gestand Johnson ein. Im Juni 2023 habe sie die Informationen an eine falsche Nummer geschickt, ein Kontrolleur sei dann an einem Ort aufgetaucht, an dem sie nicht war. Und beim dritten Mal habe es sich um einen Fehler in der App gehandelt. Ihr sei die Adresse ihrer Eltern angezeigt wurden, doch bei der USADA waren auch andere Orte vermerkt. Die Sperre war die Folge. "Ein Prozent Nachlässigkeit ist Fahrlässigkeit", habe die Anti-Doping-Agentur der USA ihr erklärt. Johnson wurde gesperrt. Sie durfte nicht mit dem Team trainieren, Sponsoren waren abgesprungen. "Ich musste rund 200.000 Dollar aufbringen", erzählte die Speed-Spezialistin, die sich einst als bisexuell outete.
All die Strapazen machten sich bezahlt. Johnson raste an diesem Samstag zum größten Triumph ihrer Karriere, gewann noch nie ein Weltcuprennen, ist nun aber Weltmeisterin. "Das ist verrückt. Man geht da jedes Mal raus und will gewinnen. Aber das habe ich noch nie geschafft. Und es ist jetzt einfach unglaublich", konnte es die 29-Jährige nicht fassen.