Heim in Korneuburg

"So arg war's nirgends" – Nächste Pflegekraft packt aus

Das Pflegeheim in Korneuburg ist mit schweren Anschuldigungen konfrontiert. Nun spricht eine weitere Pflegekraft über den unangenehmen Alltag.
Maxim Zdziarski
15.03.2026, 19:36
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Der Wirbel rund um das Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) Korneuburg reißt nicht ab. Nachdem eine Pflegekraft in "Heute" über massive Überlastung im Arbeitsalltag berichtet hatte, folgte kurze Zeit später die fristlose Kündigung.

Die Landesgesundheitsagentur NÖ wies die Vorwürfe zurück und sprach von Rufschädigung durch eine einzelne Person. Laut Betreiber seien sowohl Pflege-Team als auch Bewohner zufrieden, auch ein Qualitätsaudit habe dies bestätigt.

Doch nun meldet sich eine weitere Pflegekraft aus dem Heim zu Wort – und zeichnet ein ganz anderes Bild. Auch bei dieser Person ist die Angst vor einer Kündigung groß, daher bleibt sie im Artikel völlig anonym.

"So org wie in Korneuburg war’s noch nirgends"

"So arg wie in Korneuburg war’s noch nirgends", beginnt die Person das Gespräch mit "Heute". Dass der Pflegeberuf grundsätzlich körperlich und psychisch belastend ist, sei bekannt. Doch in Korneuburg sei das Personal für den enormen Pflegeaufwand der Bewohner schlicht zu schwach besetzt.

Die Folge: Unzufriedenheit im Team, hohe Fluktuation und häufige Krankenstände. "Viele halten das einfach nicht lange aus", sagt die Person. Jeder Ausfall bedeute außerdem eine zusätzliche Belastung für das ohnehin "dünn besetzte Team".

Selbst wenn der Personalschlüssel auf dem Papier passen sollte, werde das der Realität am Pflegebett nicht gerecht. Der tatsächliche Pflegeaufwand vor Ort sei laut der Person nämlich deutlich höher als das, was statistisch vorgesehen ist.

"Klima der Kontrolle"

Besonders kritisch sieht die Pflegekraft auch die Stimmung im Haus. Einige wenige langjährige Mitarbeiter hätten es sich ihrer Meinung nach "gerichtet". "Die genießen hier und da kleine Vorteile und stehen dafür hinter der Heimleitung", behauptet sie. Gleichzeitig herrsche ein Klima der Kontrolle: "Wenn jemand einen zweiten Kaffee trinkt, wird derjenige schon schief angeschaut. Man soll sofort wieder arbeiten gehen."

Von einem echten Teamgefühl könne man daher kaum mehr sprechen. Spaß im Arbeitsalltag? Fehlanzeige. "Wenn das so weitergeht, weiß ich nicht, wer das bis zur Pension durchhält. Es ist ein ständiges Kommen und Gehen", so die Pflegekraft.

Landesgesundheitsagentur NÖ kennt nur positive Berichte

"Heute" sprach ein weiteres Mal mit der Landesgesundheitsagentur NÖ über die Anschuldigungen. Dort konnte man diese nach wie vor nicht nachvollziehen. "Letzte Woche fand im Beisein des Vorstandes und der Geschäftsführung ein gemeinsames MitarbeiterInnen-Gespräch im PBZ Korneuburg statt, indem das Stimmungsbild und die aktuelle Situation der Berichterstattung thematisiert wurden", so Geschäftsführerin Katja Steininger gegenüber "Heute".

Die Mitarbeiter wurden laut Steininger erneut darauf hingewiesen, dass vertrauliche Gespräche jederzeit möglich sind und kritische Rückmeldungen im Sinne einer offenen Gesprächskultur ausdrücklich willkommen sind. Allerdings sei die Stimmung positiv beurteilt worden und entspreche in keiner Weise den Anschuldigungen der anonymen Schreiben.

Eine kürzlich durchgeführte behördliche Überprüfung bestätigt das Ergebnis des internen Audits – selbiges hat keinen Pflegeengpass ergeben. Der Landesgesundheitsagentur liegen zudem lediglich positive Rückmeldungen seitens des Personals und der Führungskräfte vor.

Die Diskussion rund um Arbeitsbedingungen in der Pflege bekommt damit eine neue Brisanz – und im PBZ Korneuburg dürfte das letzte Wort noch nicht gesprochen sein.

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