Erst Anfang Februar packte eine Pflegekraft völlig anonym in "Heute" über die Missstände im Pflege- und Betreuungszentrum (PBZ) Korneuburg aus. Der Praxisbericht schlug hohe Wellen und zeigte, wie hart der Pflegealltag für Angestellte sein kann.
Doch eine dieser Wellen erfasste nun die "Whistleblowerin" selbst: Lisa wurde von der Heimleitung von einem Tag auf den anderen fristlos gekündigt, wie sie nun "Heute" erzählt. Für die 29-Jährige ist klar: "Das bestätigt genau das Problem im System. Wer die Wahrheit anspricht, wird mundtot gemacht."
Besonders brisant: Vor der Kündigung soll die Leitung die Pflegerin zu einem Gespräch geladen haben – allerdings ohne ihr zu sagen, worum es dabei geht. "Man hat sich geweigert, mir vorab mitzuteilen, was der Anlass ist. Unter diesen intransparenten Bedingungen wollte ich mich nicht unvorbereitet unter Druck setzen lassen", schildert sie im "Heute"-Gespräch. Also lehnte Lisa das Gespräch ab – kurz darauf folgte die fristlose Kündigung.
Doch dabei blieb es laut Lisa nicht. Die Heimleitung soll ihren Angaben zufolge anschließend durch das Pflegeheim gegangen sein und in jeder Abteilung Lisa namentlich als Verfasserin des Berichts geoutet haben. Für die 29-Jährige ist das ein gezieltes Vorgehen: "Das ist eine öffentliche Bloßstellung. Man will mich isolieren und ein Exempel statuieren. Die Botschaft lautet: Wer spricht, wird vernichtet."
Doch die fristlose Kündigung hat die junge Frau nicht mundtot gemacht, ganz im Gegenteil: Die 29-Jährige spricht nun öffentlich in den sozialen Medien über ein "Klima der Einschüchterung" in der Branche, um weiter auf das Thema "Schweigen in der Pflege" aufmerksam zu machen. "Die Pflege-Community wartet darauf, dass dieses Schweigesystem endlich offen angesprochen wird", ist sie überzeugt.
Die Heimleitung zeichnete gegenüber "Heute" ein völlig anderes Bild. Man habe nach den Medienberichten ein "Qualitätsaudit" durchgeführt und festgestellt, dass es keine Überbelastung des Pflegepersonals gebe – das war immerhin die schwerste Anschuldigung der Pflegerin. Die Erhebungen hätten demnach ergeben, dass die Gruppeneinteilung "korrekt" sei.
Anschließend habe man mit allen Mitarbeitern Gespräche geführt. Eine Mitarbeiterin (Lisa) soll sich jedoch geweigert haben, mit der Heimleitung zu sprechen und habe anschließend den Arbeitsplatz verlassen. Darin sah man dann eine Dienstpflichtverletzung, auf deren Basis man die fristlose Kündigung ausgesprochen habe. Die schweren Anschuldigungen der Ex-Mitarbeiterin ordnet man unterdessen als Rufschädigung ein.
"Ein solches Verhalten kann von keinem Dienstgeber, so auch nicht der NÖ Landesgesundheitsagentur, geduldet werden. Vor allem da es hier um die Betreuung der uns anvertrauten Bewohnerinnen und Bewohner im NÖ Pflege- und Betreuungszentrum Korneuburg geht. Aber auch die Mehrbelastung unserer anderen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch ein solches Verhalten kann nicht toleriert werden", erklärt Geschäftsführerin der Region Weinviertel Katja Steininger und hält weiter fest: "Es gab und gibt keinen Pflegemangel hier im PBZ Korneuburg!"
Lisa möchte sich nicht einschüchtern lassen und kündigt rechtliche Schritte gegen die fristlose Kündigung an.