"Meine Mama ist 95 Jahre alt, leidet an Demenz und altersbedingten Beschwerden. Sie kann alleine nicht leben, ist 24 Stunden auf Hilfe angewiesen", erzählt Christian R (62) aus Wien-Liesing. "Ich pflege sie seit 10 Jahren vom Aufstehen bis zum Schlafengehen, leiste einen wichtigen Beitrag für die Gesellschaft." Doch gedankt wird ihm das nicht – im Gegenteil. Seit Jahresbeginn bekommt er 369 Euro weniger Sozialhilfe.
Das, obwohl sich die Stadt Wien durch seine Leistung das Geld für einen Heimplatz spare, meint der 62-Jährige. "Meine Mama ist super versorgt, ich könnte neben der Pflege nicht arbeiten gehen, sie ist in Pflegestufe 4."
Der Wiener pflegte auch schon seinen Vater. "Ich bin auf die Mindestsicherung angewiesen", erzählt er. Im Vorjahr bekam der Wiener noch rund 1.230 Euro, nach der Reform sind es heuer nur noch 860,92 Euro. "Aufgrund einer mit 1.1.2026 in Kraft getretenen Änderung des Wiener Mindestsicherungsgesetzes wurden mir 30 Prozent der Sozialhilfe gestrichen – in Summe 369 Euro pro Monat", so der Wiener. "369 Euro mögen für manche Menschen nicht viel Geld sein, für mich jedoch ist es existenzbedrohend."
Die Stadt Wien muss auch bei der Mindestsicherung sparen. Mit 1. Jänner wurden Wohngemeinschaften mit Haushalten und Bedarfsgemeinschaften gleichgestellt. Laut Gesetz bekommt jede erwachsene Person, die in einer Wohngemeinschaft lebt, nur noch 70 Prozent statt der vollen 100 Prozent Mindestsicherung, teilte die MA 40 dem Wiener mit. "Würde ich alleine leben, würde ich mehr Geld bekommen!", kritisiert der 62-Jährige.
Christian R. hält die Neuregelung für ungerecht. "Es sind nicht nur Großfamilien aus dem Ausland von der Kürzung betroffen, sondern auch viele Wiener, die sich um Angehörige kümmern und deshalb nicht arbeiten gehen können." Über diese sei bisher aber kaum berichtet worden.
Christian R. legte gegen die Kürzung seines Mindestsicherungsbezugs nun Beschwerde bei der MA 40 ein. Der Fall liegt nun beim Verwaltungsgerichtshof. Jetzt müssen die Richter entscheiden.