Vergesslichkeit im Alter ist weit verbreitet, aber längst nicht jeder ist davon betroffen. Während manche Menschen selbst mit 100 Jahren noch geistig topfit sind, kämpfen andere bereits ab 40 mit nachlassender Merkfähigkeit. Neue Forschungsergebnisse zeigen nun: Die Ursache dafür liegt möglicherweise gar nicht im Kopf, sondern im Bauch.
Die Darmbakterien steuern den Informationsfluss zwischen dem Gehirn und anderen Organen und können so Vergesslichkeit fördern. Das zeigt eine aktuelle Studie, bei der Forschende Darmmikroben alter Mäuse in junge Tiere verpflanzten.
Das Ergebnis war verblüffend, wie spektrum.de berichtet: Die jungen Nager schnitten in Gedächtnistests plötzlich ähnlich schlecht ab wie ihre betagten Artgenossen. Als die Tiere mit Antibiotika behandelt wurden, was ihre Darmflora dezimierte, erholte sich ihre Gedächtnisleistung wieder.
Noch deutlicher wurden die Zusammenhänge bei keimfrei aufgezogenen Mäusen, die praktisch kein Darmmikrobiom besaßen. Diese Tiere bauten im Alter kognitiv deutlich langsamer ab als Mäuse mit normaler Darmflora. In der Gedächtnisregion des Gehirns, dem Hippocampus, kam es bei den behandelten Tieren zu einer Umstellung des Stoffwechsels und einer veränderten Genaktivierung.
Die Erkenntnisse könnten weitreichende Folgen haben: Offenbar hängt der kognitive Abbau im Alter nicht allein vom Gehirn ab. Prozesse außerhalb des Zentralnervensystems spielen ebenfalls eine wichtige Rolle, und diese lassen sich womöglich mit Medikamenten beeinflussen.
Die Forscher wollen nun klären, ob ähnliche Prozesse auch beim Menschen ablaufen. Einige Beobachtungen deuten bereits darauf hin. Sollte sich das bestätigen, könnten gezielte Behandlungen der Darmflora eines Tages helfen, den geistigen Abbau im Alter zu verlangsamen oder sogar aufzuhalten.