Nach einer langen Partnerschaft wieder auf Dates zu gehen, fühlt sich für viele Frauen an wie ein Neustart in der Pubertät. Wie flirtet man nochmal? Bin ich noch attraktiv? Und wo findet man überhaupt jemanden Passenden?
Die Paar- und Sexualtherapeutin Nele Sehrt gibt wichtige Einblicke in die Herausforderungen, die sich nach dem Ende einer langen Beziehung ergeben.
Wie brigitte.de berichtet, zeigen sich bei Frauen und Männern nach einer Trennung unterschiedliche Muster. Während Männer oft schnell wieder auf der Suche nach neuen Kontakten sind, genießen viele Frauen erst einmal die neu gewonnene Ruhe.
"Nach einer Trennung wird häufig das gelebt, was man innerhalb der Beziehung vermisst hat", erklärt Sehrt. Bei Frauen mit hoher Betreuungslast sei das oft die Ruhe: "Das ist für viele Frauen ein Aufatmen, weil plötzlich nicht mehr gekämpft wird, weil man nicht mehr abhängig davon ist, dass jemand mitarbeitet."
Auch gesellschaftliche Erwartungen spielen eine große Rolle. Mütter würden oft mit Schuldgefühlen kämpfen und sich Sorgen machen, niemand wolle eine Frau mit Kindern haben.
Von sogenanntem "Revenge Dating" – also Dates, um beim Ex-Partner Eifersucht auszulösen – rät die Expertin ab. "Das führt meistens nur zu nichts. Denn das macht man ja, um bei der anderen Person Gefühle hervorzurufen." Der Fokus liege dann nicht auf einer neuen Beziehung, sondern immer noch auf dem Ex.
Einen pauschalen Zeitrahmen gibt es laut Sehrt nicht. "Der Organismus braucht je nach Verarbeitung oft mehrere Monate, um sich nachhaltig an eine neue Situation zu gewöhnen." Entscheidend sei aber nicht, wie viel Zeit vergangen ist, sondern wie man mit sich selbst umgeht.
Die wichtigste Voraussetzung: Man sollte eine gewisse innere Stabilität erreicht haben und nicht mehr in der Klage gegen die gescheiterte Beziehung feststecken. "Dating kann grundsätzlich etwas Hilfreiches sein, weil ich merke: Ich bin doch liebenswert, ich bin doch interessant", so die Therapeutin.
Vor dem ersten Date empfiehlt Sehrt "radikale Akzeptanz der eigenen Unsicherheit". Es sei völlig normal, sich wie ein Anfänger zu fühlen. Man dürfe offen kommunizieren: "Du, ich komme aus einer superlangen Beziehung, ich weiß gar nicht mehr, wie das hier geht."
Wichtig sei auch, sich erreichbare Ziele zu setzen und die eigenen Grenzen zu kennen. "Ein Date darf gern unruhig machen, aber es sollte nicht überfordern."