So sorgt der Video-Beweis für Ärger bei Fußball-Fans

Bild: imago sportfotodienst

Wird der Fußball durch den Video-Beweis gerechter? Abwarten. Beim Confed Cup wird klar: Das System ist nicht ausgereift – Spieler und Fans üben Kritik.

Beim Confed Cup testet die Fifa erstmals auf großer Bühne die "Video Assistant Referees" (VAR). Diese haben in einem Raum im Stadion Zugriff auf die Bilder aller TV-Kameras – und melden sich via Funk sofort beim Schiri auf dem Feld, wenn ihnen ein Tor, ein Elferpfiff oder ein Platzverweis überprüfenswert vorkommt.

Nach dem ersten Wochenende der Mini-WM in Russland ist klar: Der Videobeweis verändert den Fußball. Die Diskussionen gehen aber auch mit dem neuen System weiter. Sorgt das System wirklich für mehr Gerechtigkeit?

Bitte warten für Torschützen und Fans

Bisher überwiegt Ärger und Kritik. Für Spieler und auch die Fans heißt es viel zu oft: Bitte warten! Der Torjubel bricht in den meisten Fällen erst nach dem Videostudium los. Das kann bis zu einer Minute dauern. Die Fans quittierten das mit Pfiffen. Zurecht.

Entscheidung immer korrekt

Aber macht das System den Fußball gerechter? Vier Mal wurde am Sonntag die Frage "Tor oder kein Tor" bei den beiden Spielen zwischen Chile und Kamerun (2:0) sowie Portugal und Mexiko (2:2) erst nach einer Befragung des Video-Referees entschieden.

In allen vier Fällen wurde durch den Videobeweis am Ende eine korrekte Entscheidung herbeigeführt. Ein erster Treffer von Vargas gegen Kamerun wurde zunächst gegeben, aber dann wieder aberkannt. Der Stürmer stand knapp im Abseits. Bei seinem Tor zum 2:0 lief es genau umgekehrt. Auch beim Spiel Portugal gegen Mexiko zahlte sich der Einsatz der Technologie aus. Ein Abseits-Tor für den Europameister wurde nach Rücksprache mit dem Video-Schiedsrichter nicht gegeben. Beim 2:1 durch Cedric Soares ergab die Befragung: alles korrekt.

Die Schwächen des Systems

Dennoch überwiegt die Kritik. Portugal-Trainer Fernando Santos sprach einen heiklen Punkt an: Wann wird der Videobeweis eingesetzt und wann nicht? "Der Video-Referee wurde nur bei unseren Toren benutzt, obwohl die Szene vor dem 2:2 auch sehr komplex war", sagte er. Stimmt!

Denn oft melden sich die Video-Referees nicht. Als Kamerun gegen Chile trifft, gibt Schiri Skomina das Tor nicht, er hat ein Foul an Chile-Star Vidal gesehen. Ein Foul, das alles andere als klar ist – doch von den drei Video-Referees kommt kein "Call"!

Problemfall Abseits

Noch heikler wird die Causa beim Thema Abseits. Abseits-Positionen sind selbst mit Hilfe bewegter Bilder im Fußball nur schwer zu erkennen. Das ist der Unterschied zum Hawk-eye-System im Tennis, wo der Fan in wenigen Sekunden auf einem riesigen Screen sieht: Der Ball war gut oder out. Beim Fußball wird darüber auch am nächsten Tag noch diskutiert – trotz 100 Kameras und Blickwinkel.

Nächstes Problem im Fußball: Die Video-Referees entscheiden isoliert in einem Kammerl. Der Fan im Stadion kriegt davon nichts mit. Er darf brav warten. Die Emotionen verpuffen, der Ärger überwiegt.

Das Fazit

Noch befindet sich der Videobeweis in der Testphase. Ob er in einem Jahr auch bei der Weltmeisterschaft in Russland eingesetzt wird, ist noch nicht entschieden. Es besteht Verbesserungsbedarf. Dringend.

(mh)

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