So casht Wiener ohne Taxischein 3.000 Euro mit Bolt ab

Der Bolt-Lenker erklärt, wie er ohne Taxischein 3.000 Euro verdient.
Der Bolt-Lenker erklärt, wie er ohne Taxischein 3.000 Euro verdient.Leserreporter
Bolt-Lenker müssen seit 2021 einen Taxischein vorweisen können. In einem Video erklärt ein Fahrer, wie er ohne Berechtigung 3.000 Euro abkassiert. 

Seit März 2021 sind Mietwagen-Fahrer dazu verpflichtet, einen Taxischein zu besitzen. Der jahrelange Streit zwischen den Taxiunternehmern und diversen Fahrtendiensten sollte so beseitigt und ein fairer Konkurrenzkampf ermöglicht werden. Doch einige der Mietwagen-Fahrer haben offensichtlich einen Weg gefunden, das System zu umgehen.

In einem Video, das in den sozialen Medien kursiert, packt jetzt ein Bolt-Fahrer aus und spricht Klartext. Der Mann berichtet, er würde jemanden kennen, bei dem man auch ohne entsprechende Berechtigung Personen befördern könnte. Ein Mittelsmann, der alle relevanten Bewilligungen hat, würde für die Schein-Konzession 300 Euro monatlich verlangen.

"Verdiene 3.000 Euro netto im Monat"

Der taxischeinlose Lenker könne dann mit seinem privaten Fahrzeug, das nicht älter als 5 Jahre sein darf, seiner Arbeit nachgehen. Am Ende des Monats müsse er an Bolt 18 und an den Mittelsmann 10 Prozent des Umsatzes abgeben – der Rest gehöre ihm. Und die Rechnung scheint trotz hoher Fixkosten offenbar aufzugehen. "Ich habe so viele Kunden, dass ich bei 8 Stunden Arbeit am Tag 3.000 Euro netto im Monat verdiene", erzählt der Bolt-Lenker im Video. Wie viel der Mittelsmann durch seine fragwürdigen Machenschaften abkassiert, bleibt indes ungeklärt.

Wirtschaftskammer schockiert

Die Taxiinnung zeigte sich gegenüber "Heute" über die Schilderungen entsetzt. "Wir lehnen diese Vorgehensweise entschieden ab. Auch neue Anbieter, die ihren gesamten Betrieb vorwiegend digital abhalten, müssen sich persönlich von der Richtigkeit der Angaben ihrer Fahrer überzeugen. Wir appellieren daher an ebenjene Anbieter, im Sinne der Kunden ihre unternehmerische Sorgfaltspflicht einzuhalten. Die Wiener Taxis pflegen diese Vorgehensweise seit je her und können so sicherstellen, dass nur zugelassene Fahrer ihre Passagiere wohlbehalten an ihr Ziel bringen", so Khachador Jalmanian, Obmann-Stellvertreter der Taxis in der Wirtschaftskammer Wien.

Passagiere, die den Verdacht haben, dass etwas nicht mit rechten Dingen zugeht, können sich an die WKW-Beschwerdestelle wenden. "Schicken Sie Bilder, mit denen wir das Fahrzeug identifizieren können und die Mängel an beschwerde.taxi@wkw.at. Unsere Beschwerdekommission nimmt sich jedem einzelnen Fall an", so Jalmanian abschließend.

Bolt sichert Untersuchung zu

Die schweren Vorwürfe nimmt das Unternehmen Bolt offensichtlich ernst. "Wir arbeiten in Österreich ausschließlich mit lizenzierten Taxiunternehmen zusammen, die die Fahrer auch anstellen. Bolt agiert ausschließlich als Vermittler der Fahrten. Uns ist dieser spezielle Fall nicht bekannt, jedoch werden alle Fälle untersucht. Wenn sich die Anschuldigungen bewahrheiten, wird der Zugang augenblicklich ausgesetzt", so die Pressestelle des Unternehmens. Weiters versicherte man im Gespräch mit "Heute", den Vorfall sorgfältig zu untersuchen. Bis die Sache jedoch endgültig geklärt ist, werden die illegalen Fahrten wohl weiter gehen. 

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