Mondstaub gilt in der Raumfahrt als gefürchtetes Problem: Die winzigen Partikel ruinieren Maschinen, beschädigen Raumanzüge und gefährden beim Einatmen die Gesundheit von Astronauten. Doch genau dieses vermeintliche Hindernis könnte sich als Segen für den Bau künftiger Mondbasen erweisen.
Ein Forscherteam der chinesischen Beihang-Universität in Peking hat Proben von der Rückseite des Mondes untersucht und dabei Erstaunliches festgestellt: Die extrem kantigen Staubkörner verhaken sich unter Druck so stark ineinander, dass der Mondboden eine außergewöhnlich hohe Tragfähigkeit aufweist.
Wie t3n.de unter Berufung auf Universe Today berichtet, nutzte das Team Proben der chinesischen Sonde Chang'e 6, die das Material gezielt aus dem Südpol-Aitken-Becken gesammelt hatte - dem ältesten und tiefsten bekannten Einschlagkrater im Sonnensystem.
Weil die Mondproben viel zu kostbar für herkömmliche Belastungstests sind, griffen die Forscher auf ein hochauflösendes Röntgenverfahren zurück. Mithilfe von künstlicher Intelligenz rekonstruierten sie fast 350.000 einzelne Staubkörner am Computer und erschufen so einen digitalen Zwilling der Bodenprobe.
Die Simulationen zeigten deutlich: Der Boden auf der Mondrückseite ist wesentlich grobkörniger und unregelmäßiger als jener, den die Apollo-Missionen einst von der Vorderseite zur Erde brachten. Die Ergebnisse wurden im Fachmagazin SPJ veröffentlicht.
Durch unzählige Mikrometeoriteneinschläge über Milliarden von Jahren verschmolzen viele der feinen Partikel zu winzigen, glasartigen Strukturen. Diese sogenannten Agglutinate wirken im Boden wie ein natürlicher Zement und erhöhen die Stabilität zusätzlich.
Auch wenn es noch dauern wird, bis tatsächlich permanente Stationen auf dem Mond errichtet werden - ob im Rahmen der NASA-Artemis-Missionen oder chinesischer Vorhaben -, liefern die Erkenntnisse eine wichtige Grundlage. Der Traum von der Mondbasis rückt damit ein Stück näher, zumal verschiedene Forschergruppen weltweit bereits an Technologien arbeiten, um Mondmaterial direkt vor Ort als Baustoff zu nutzen.